Willkommen auf New Reformation

Wer die Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern

Das Evangelium ist keine Privatsache

sondern eine höchst brisante Botschaft an alle Instanzen aller Länder

Löwe und Lamm

Gott erklärt man nicht mal eben auf dem Bierdeckel

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Neueste Artikel

24 Januar, 2017

Die Gemeinde der Zukunft (2) wird kein Geld haben


Kleine Gemeinden brauchen kleine Geldbeutel. Oder gar keinen. Doch so wie wir Kirche kennen, erscheint die Null-Budget-Gemeinde als schier undenkbar. Die Zukunft wird jene Unmöglichkeit widerlegen. Es gibt sie heute schon, Gemeinden ohne Konto und Kassierer. Zwar werden sie von den Großen, "Richtigen" selten ernstgenommen, doch dafür können sie niemals pleite gehen. Der Bau des Gottesreiches ist ohne einen einzigen Cent in der Tasche möglich, das wissen wir seit Lukas 10.

Das bedeutet nicht, dass es keine Spenden oder "Zehnten geben" mehr geben wird. Im Gegenteil. Kleine Gemeinden müssen oft viel tiefer in die Tasche greifen, um manche Dinge möglich zu machen. Gastfreundschaft und Großzügigkeit werden keine Pflichten, sondern wahre Werte sein, die man sich was kosten lässt. Man organisiert sich anders und teilt anders. In Zeiten materiellen Überflusses sehen immer mehr junge Christen ein, dass z.B. drei Familien nur eine Bohrmaschine brauchen und nicht umgekehrt. Das ist anders - aber keinesfalls unbiblisch.

23 Januar, 2017

Die Gemeinde der Zukunft (1) wird klein sein


Die Gemeinde der Zukunft wird eine kleine Gruppe Leute sein, ähnlich einer LTG (Life Transforming Group). Man trifft sich regelmäßig, um ehrlich auszutauschen, was Gott in ihrem Leben tut und wie Nachfolge hier und heute im Alltag aussieht. Dazu wird man miteinander die Heilige Schrift und andere Ressourcen studieren. Man beichtet voreinander und betet füreinander. Manche dieser Kleinstgemeinden werden sich zu Netzwerken zusammenschließen, andere nicht. Nur wenige Minigemeinden werden sich einer heute bekannten Denomination oder Kirche anschließen und wenn doch, dann nur lose und ohne große Verpflichtungen. Wenn überhaupt, so werden kaum neue Denominationen gegründet (Ausnahmen sind Zusammenschlüsse alter, schrumpfender Denominationen zu einer neuen, größeren).

Das bedeutet nicht, dass es keine großen Gemeinden mehr geben wird. Im Gegenteil, ein gegenläufiger Trend geht zur Megagemeinde. Dort werden sich alle sammeln, denen das klassische Gemeindemodell mehr liegt. Diese Gemeinden werden entweder stark charismatisch oder deutlich liturgisch geprägt sein. Liberale und evangelikale Gemeinden werden schrumpfen und in manchen Gegenden aussterben. Die heranwachsenden Megagemeinden werden relativ viel Aufmerksamkeit erregen und "das neue Bild von Kirche" prägen, doch in Wahrheit stellen sie eine Ausnahme dar und sind zahlenmäßig unterlegen. 

22 Januar, 2017

Beten im Januar

20 Januar, 2017

Let's make Europe GREAT again!



Die heutige Amtseinführung Trumps war von mir so nicht geplant. Ich verspreche es. Doch sie passt hervorragend zu meiner neuen Serie über die Gemeinde der Zukunft. Denn alle Trumps, Brexits oder Pegidas dieser Welt sind Symptome desselben Phänomens: Unsere Angst vor der Zukunft, unsere Unsicherheit, mit den rasenden Veränderungen dieser Zeit umzugehen.

Es heißt, es waren weiße, "evangelical" - ob man das jetzt mit evangelikal oder evangelisch übersetzt, ist egal - Christen, die Trump zum Sieg verholfen haben. Dieser Typ Mensch hat den Drang, das Leben in rechten, geordneten und "sündlosen" Bahnen halten zu wollen. Rückt einem die gefühlte Unordnung aber zu bedrohlich auf den Pelz, greift man mitunter zu drastischen, nicht selten scheinheilig-rechtgläubig klingenden Gegenmaßnahmen. So manche Gemeindeschlammschlacht beweist die verzweifelten Versuche, "Ordnung" wiederherzustellen.

Es heißt, es waren auf dem Lande lebende ältere Herr- und Damschaften, die den Brexit möglich gemacht haben. Menschen, in deren Köpfen die Welt noch aus der exklusiven Insel in der Nordsee bestand und die mit EU und Immigration nichts anfangen wollen, sich stattdessen nach den Glanztagen des Commonwealth sehnen.

Es heißt, Pegida ist in Ostdeutschland entstanden. Einem Landstrich, dem Fortschritt politisch motiviert über Jahrzehnte verwehrt wurde, und der dann plötzlich nachholen musste, woran andere Menschen sich über ein halbes Jahrhundert gewöhnen konnten. Verunsicherung ist urmenschlich und zeigt, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Zu viel Veränderung auf einmal verursacht Stress, je nach Persönlichkeit mehr oder weniger. Vor allem, wenn gleichzeitig alle festen Lebensstrukturen, die uns Glauben und Halt gaben, zu einer Art kosmischen Amöbe zerfließen. Neben allen ohnehin schon riesigen Veränderungen sind "Ausländer" der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Stress lässt uns Entscheidungen treffen, die wir später bereuen mögen. Im Grunde steckt in jedem von uns ein Trumpwähler, Brexitbefürworter, Pegidademonstrant. Der letzte Streit in det Familie ist der jüngste Beweis.

Es gibt aber zwei Möglichkeiten, unser Land, Europa, den ganzen Westen wirklich wieder großartig werden zu lassen.

Erstens, wir müssen einsehen, dass Jesus Herrscher ist und niemand sonst. Ihm gehört unser volles Vertrauen, unsere Loyalität, unser Einsatz. Wer Jesus folgt, gewöhnt sich nicht nur an ständige Veränderungen, denn Jesus ist jeden Tag für eine unerwartete Überraschung gut, sondern lernt auch, das Leben so leicht zu nehmen wie ein Kind. Wir haben einen himmlischen Papa, der uns mitten im Chaos gerne mal einen heißen Kakao mit Sahne auf den Tisch stellt. Wer kann da noch besorgt sein?!

Zweitens, wir müssen genau das der jungen Generation beibringen. Obama sagte, er hoffe auf die nächste Generation. Junge Briten sind entsetzt über die Entscheidung der Alten. Die jungen Generationen des Westens wachsen mit einer völlig anderen Weltsicht auf. Chaos, Durcheinander, multikulti, Toleranz und Weltoffenheit sind Grundwerte. Was sie brauchen, ist stabiler Glauben, und Weisheit, die mit Gottesfurcht beginnt. Sie brauchen Liebe aus elterlichen und großelterlichen Generationen, die sie begleiten und wohlwollend auf den Weg senden. Die sie mit ihren Gebeten begleiten.

Nur wahre Vertreter des Himmelreiches machen ein Land "great again". Denn nur das Himmelreich ist wirklich großartig.

Bist Du bereit für Veränderung?

”Am nächsten Tag gegen zwölf Uhr näherten sich die Männer bereits der Stadt. Um diese Zeit ging Petrus zum Beten auf die Dachterrasse hinaus. Kurz darauf bekam er Hunger und wollte essen. 

Während ihm etwas zubereitet wurde, hatte er eine Vision. Er sah den Himmel offen und etwas wie ein großes leinenes Tuch auf die Erde herabkommen. Es wurde an vier Zipfeln gehalten, und in ihm befanden sich alle möglichen Arten von Vierfüßlern, Kriechtieren und Vögeln. Eine Stimme sagte: "Los, Petrus, schlachte und iss!" "Auf keinen Fall, Herr!", sagte Petrus. "In meinem ganzen Leben habe ich noch niemals etwas Verbotenes oder Unreines gegessen!" Doch die Stimme forderte ihn ein zweites Mal heraus: "Was Gott für rein erklärt hat, halte du nicht für unrein." 

Das alles geschah drei Mal, dann wurde das Tuch wieder in den Himmel hinaufgezogen.”
Apostelgeschichte 10:9-16 (NBH)

Wie hättest Du an Petrus Stelle reagiert, wenn Gott Dich zu etwas auffordert, was Du noch nie gemacht hast, eigentlich auch gar nicht machen willst und wo Du Dir auch überhaupts nicht sicher bist, ob Gott so etwas überhaupt sagen würde, weil Du es bisher noch nie gehört hast? 

19 Januar, 2017

Wird es eine Gemeinde der Zukunft geben?


Steigende Säkularisierung. Enorm veränderte Alltagsgewohnheiten. Ständige, wenig christliche Medienbombardierung. Multikulturelle und -religiöse Gesellschaften. Rekordmäßige Kirchenaustrittszahlen (allein in Schweden sind 2016 so viele Menschen ausgetreten wie niemals zuvor). Das Wachstum mancher Freikirchen ist in alledem kein Gegentrend, sondern ein Teil der Symptome, weil es meist auf Kosten anderer Teile des Leibes Christi geht. Man kann sich fragen: Wird es in ein, zwei Generationen und danach überhaupt noch Gemeinde geben?

Selbst wenn alle Trends fortsetzen wie bisher, selbst wenn es in Zukunft vielleicht sogar noch steiler in diese Richtung gehen wird, so ist die Antwort eindeutig: NATÜRLICH wird es das! Warum? Weil es nicht um uns, sondern um Gott geht. Gott hat die Gemeinde zu seiner eigenen Herrlichkeit geschaffen, nicht zu unserer.

Erst durch die Gemeinde sollte Gottes Plan den Mächten und Gewalten in der Himmelswelt bekannt werden. Auf diese Weise sollten sie die vielfältige Weisheit Gottes kennen lernen, denn so entsprach es dem ewigen Plan Gottes, den er in Jesus Christus, unserem Herrn, verwirklicht hat.
Epheser 3,10-11

Aus diesem Grund wird Gott es nicht zulassen, dass ein so wichtiger Teil seines Plans völlig zerstört wird. Wir Menschen können das nicht verprechen. Wir sind alle miteinander viel zu schwach zum echten Durchhalten aus eigener Kraft. Doch Gott wird immer einige Tausend übriglassen, die ihre Knie nur vor Ihm beugen. In jedem Land.

Was allerdings auch sicher sein wird ist, dass diese Gemeinden ganz anders sein und leben werden, als es für uns normal ist. Für uns, die wir in den kommenden 50 Jahren vermutlich in die Ewigkeit eingehen werden, ist das insofern wichtig, als wir den jungen Generationen, die die Gemeinde in den kommenden 50 Jahren formen werden, Freiheit und Anleitung geben. Freiheit, um die Formen zu finden, die für sie funktionieren. Anleitung, um die Prinzipien zu finden, auf die es wirklich ankommt.

Ich werde in den kommenden Posts einige Eigenschaften und Charakteristiken der Gemeinde der Zukunft beschreiben, von denen ich mir sicher bin, dass sie eine mehr oder weniger große Rolle spielen werden.

Die große Frage an Dich ist: Bist Du bereit für Veränderung?



18 Januar, 2017

Der Urdenker der Gemeinde der Zukunft


Wer sich professionell mit einem bestimmten Thema befasst, kommt nicht umhin, sich auch mit der Geschichte jener Thematik auseinanderzusetzen. Wie hat alles angefangen? Wie wurde es entwickelt? Wenn wir uns also intensiv mit allen gesellschaftlichen Veränderungen auseinandersetzen und ihren Auswirkungen auf Jüngerschaft und zukünftige Gemeinde und Mission, dann sollte eine Person erwähnt werden, die als "Urtyp" aller Vordenker für zukünftige Gemeinden angesehen werden kann.

Es handelt sich um den Italiener Joachim von Floris. Joachim war ein stark eschatologischer Denker, baute seine Theologie von der Zukunft ausgehend auf, setze sich für geistliche Erneuerung ein und hat Klöster wie Orden mit seinem Denken nachhaltig beeinflusst. Wie alle, die in der Kirche außergewöhnlich oder anders als die großen Massen waren, wurde auch Joachim zu seiner Zeit im 12. Jahrhundert von der Kirche schräg beäugt, aber nie als Häretiker verurteilt. Bis heute wird so manche Erneuerungsbewegung in Kirchen zumindest auf philosophischer Ebene mit ihm in Verbindung gebracht.

In manchen Dingen war Joachim mir recht ähnlich, in anderen könnten wir uns aber nicht unterschiedlicher sein. Es gibt übrigens jemand, der ein echter Joachimexperte ist - ein Mann, von dem ich es am wenigsten erwartet hätte: Unser Papa Ratzi, Joseph Ratzinger, später Benedikt XVI. Er hat Abhandlungen über Joachim verfasst, die über mehrere Jahrzehnte veröffentlicht wurden.

Für mich persönlich und unseren Dienst bei Communitas spielt Joachim, wenn überhaupt, nur eine sehr, sehr kleine Rolle. Doch der Vollständigkeit halber wollte ich ihn gerne hier auf new-reformation erwähnt sehen, denn irgendwie gehört er ja schon dazu - und ich freue mich schon drauf, in der Ewigkeit mit ihm einen Termin zum Plaudern auszumachen.

17 Januar, 2017

DESHALB verlieren wir nicht den Mut!

16 Januar, 2017

Die Tücken des Januars


Neulich bat mich meine Frau, sie abends mit dem Auto abzuholen. Es war ein sehr kalter, dunkler Januarabend. Am Tag zuvor hatte es geschneit. Wie immer kam der Schneepflug eine Woche zu spät. Nachdem der Wagen freigelegt und -gekratzt war, konnte ich losfahren. Doch irgendwas stimmte nicht. Ich hielt an, gab wieder etwas Gas und ließ die Kupplung kommen. Der Motor heulte, die Räder drehten auf fast flacher Straße durch. In seinem 17. Winter hatte unser Bulli sich zum ersten Mal die Handbremsen festfrieren lassen.

Alle Versuche, sie zu lösen, scheiterten. Das war insofern ein größeres Problem, als ich unseren Sohn am nächsten Morgen um fünf Uhr zum Flughafen bringen musste. Geduld, Hämmerchen, Holzklötzchen und Heißluftföhn waren schließlich die Tricks, die zur Lösung führten. 

Was unser Auto in 17 Jahren zum ersten Mal erlebte, passiert mir als Mensch seit zehn Jahren jeden Januar: Die Handbremsen frieren fest. Es bedeutet, dass man die gleiche Menge Energie, die man sonst zur Fortbewegung auf dreihundert Metern verbraucht, nun allein beim erfolglosen Versuch verbrennt, sich überhaupt in Bewegung zu setzen. Man gibt mehr Gas, doch die Räder drehen durch. Gelingt es dennoch, Fahrt aufzunehmen, so geht alles sehr träge voran und jede Bewegung kostet extrem viel Kraft. Ignoriert man dies, läuft man heiß und richtet größeren Schaden an. Beim Menschen heißen festgefrorene Handbremsen SAD oder Seasonal Affected Disease (jahreszeitlich bedingte Krankheit), zu deutsch umgangssprachlich einfach Winterdepression. Ich weiß noch genau, wie ich mich im Januar 2007 eines Morgens im Schlafzimmer unseres neuen Heims in Göteborg zum allerersten Mal fragte, warum plötzlich das Aufstehen, die Zahnbürste, der Tag, die Woche, das ganze Leben vor mir so schwer und sinnlos erscheint. 

Seither habe ich eine Menge Gegenmaßnahmen ergriffen. Einen Hund, der täglich eine Stunde Auslauf braucht. Sport, Obst, ein Lichtwecker. Viel Fisch essen und zusätzlich Vitamin D einnehmen. Alles hilft ein bisschen, und zusammengenommen hilft es spürbar. Trotzdem friert man Jahr für Jahr ein bisschen fest, mal mehr, mal weniger.

Vitamin D-Mangel ist wohl der Hauptgrund. Das Sonnenvitamin wird in der Haut durch UV-Strahlung gebildet und beeinflusst unseren Haushalt der Hormonkontrahenten Melatonin und Serotonin. Serotonin macht dich wach und fit am morgen, Melatonin müde und träge am Abend. Leicht zu sehen, wo bei Winterdepressiven das Ungleichgewicht liegt. Anders als Vitamin C, dass einfach ausgeschieden wird, nimmt man zuviel davon, lagert sich Vitamin D im Körper an. Zuviel des Guten kann schädlich sein, und deshalb werden wir im Sommer braun. Das ist unser eingebauter Lichtfilter, damit die Haut nicht zu viel herstellt. Hier im Norden steht die Sonne im Winter aber so tief, dass kein UV-Licht mehr durchkommt. Selbst an wolkenlosen Tagen nackt im Schnee tanzend wird Null Vitamin D gebildet. Im Januar sind entsprechend alle D-Tanks trockengefahren. Das Melatonin übernimmt die Herrschaft, die Depression nimmt ihren Lauf. Auf der verzweifelten Suche nach jedem noch so kleinen UV-Strählchen wird meine Haut so weiß wie Papier und die Seele schwarz wie Tinte.

Am anstrengendsten ist neben der eigentlichen Krankheit die Tatsache, dass du allein damit bist. Kein Depressiver will mit einem anderen Depressiven reden, das baut nämlich selten auf. Doch auch nicht-Depressive wollen davon nicht viel hören. Wie wohl jede Krankheit muss man sie wohl ganz allein auskurieren.

Doch die gute Nachricht ist, dass es sich eben doch nur um eine jahreszeitlich bedingte Störung handelt. Bis jetzt ist jeder Januar noch zu Ende gegangen. Und spätestens im April sieht die Welt wieder ganz anders aus.




14 Januar, 2017

Auch Norwegen schafft Staatskirche ab

Zur Abwechslung eine kurze Nachricht aus Skandinavien (wo ich schon hier im Norden lebe):

Im Jahre 2017 wird sich auch der norwegische Staat von "seiner" Kirche trennen: Die Staatskirche wird abgeschafft. Dies geschieht also 500 Jahre nach der Reformation und 17 Jahre nachdem Schweden den gleichen Schritt gegangen ist. Es zeigt, dass auch in Norwegen die Säkularisierung voranschreitet, obwohl man im Land der Fjorde wirklich noch längst nicht so weit ist wie anderswo, und das ist sehr gut für die Norweger. Hier gibt es noch durch Bekehrung wachsende Gemeinden und gut besuchte Alphakurse. Auch M4, ein Trainingsprogramm für Gemeindegründer im Stile der Gemeindewachstumsbewegung der 1990-er Jahre, wurde in Norwegen entwickelt.

Stabkirche der Staatskirche Norwegens (Foto: Tomasz Halszka via Wikipedia CC)

13 Januar, 2017

Die hässliche Seite der Schönheit


Viele Deutsche mögen Schweden, nicht zuletzt schwedisches Design. Neulich machte ich mit einigen Deutschen eine Stadtführung durch Göteborg, und die Kommentare waren eindeutig: "Wie schön!" "So sauber und aufgeräumt!" "Der Weihnachtsschmuck ist gar nicht so kitschig!" "Die Schweden wissen, was schön ist!" Richtig, die Schweden verstehen es.

Ich möchte euch eine kurze Geschichte von Yngryd erzählen. Sie ist eine typische Schwedin, groß, blond, schlank. Wie alle Schweden machte sie Abitur, und wie viele andere legte sie hinterher ein Gapyear ein, eine Zeit im Ausland, um die Welt kennenzulernen und das Leben zu genießen. Die Welt war so spannend, dass aus dem Gapyear zwei Gapjahrzehnte wurde. Als sie wieder zurückkam, war es Zeit für eine Berufsausbildung, fand sie. Hier trafen wir Yngryd zum ersten Mal. Sie war interessiert an H2O. In vielen Unternehmungen und tiefen Gesprächen lernten wir sie recht gut kennen. Yngryd fühlte sich leer und suchte nach mehr. Eine Gemeinde, die anders war, schien attraktiv.

Wer Yngryd zu Hause besucht (was in Schweden nicht so oft vorkommt, man lässt Fremde nicht so gern in sein Heim), wird überrascht sein. Die Wohnung ist wie eine Designerausstellung. Alles perfekt arrangiert, aufeinander abgestimmt, sauber, schön. Der Garten ebenfalls. Perfektes Gras, Steine, Lampen, Deko. Nicht zu viel und nicht zu wenig - genau lagom, wie man in Schweden zu sagen pflegt.

Als Yngryd einsah, dass der Glaube an Jesus, den H2O lebte und vermittelte, keine Dekoware ist, die das Leben schmückt, sondern ein Lebensstil, der Hingabe, Treue und Opferbereitschaft erfordert, wandte sie sich ab. Der Preis war zu hoch. Nachfolge ging nicht. Sie wollte keinem Messias folgen, sondern ihr Leben selbst bestimmen.

Seither lebt sie in einer wunderbaren Wohnung mit phantastischem Garten und verschönert ständig noch mehr. Doch ihre Seele ist einsam, leer und zunehmend verbittert.

Yngryd ist ein kleines Beispiel für ein ganzes Gesellschaftsphänomen. Unsere Städte, Häuser, Computer, Mobiltelefone werden in gleichem Maße schöner wie der Mensch, der sie bevökert und benutzt, vereinsamt und innerlich verdorrt. Wunderschönes Design kann Symptom für eine hässliche Krankheit sein: geistliche Hypothermie. Schau Dich um: Bald kommunizieren wir mehr mit Geräten als mit Menschen aus Fleisch und Blut.

Dies muss dringend Auswirkungen darauf haben, wie wir Jüngerschaft lehren, einüben und leben. Also: Versteck Dich nicht. Montiere Deine Gardinen ab. Lass Menschen in Dein Leben schauen. Sei gastfrei. Sei kreativ. Wir Christen müssen Beispiele dafür sein, wie im Durcheinander des Miteinanders eine Schönheit entdeckt wird, die unsere reine und gestylte Welt nicht bieten kann.

12 Januar, 2017

Die Leere war eine Lehre

Angeredsbron
 "Bitte lass mich auch die andere Seite sehen!" war mein wiederholtes Gebet beim Anblick der vielen Häuserfassaden während der ausgiebigen Gebetsmärsche im ersten Jahr unseres außergewöhnlichen Dienstes. Es dauerte seine Zeit, doch Gott antwortete. Die Türen, die mir in den Jahren danach in die unterschiedlichsten Wohnstätten geöffnet wurden, führten mich in vielen Fällen in eine Welt der Verzweiflung.

Alkohol- oder Drogenmissbrauch, völlige Einsamkeit, zerbrechende Beziehungen, Oberflächlichkeit, Krankheit, Angst. Mal mehr, mal weniger. Mal überdeutlich, mal subtiler. 

Manche von denen, die ich dort antraf, waren in religiösen Familien groß geworden und haben sich aus diversen Gründen wieder vom Glauben abgewandt. Oder sie kämpften mit ihrer religiösen Vergangenheit. Viele, sehr viele andere hatten aber so etwas wie Glauben, der das Leben prägt, nie erlebt. 

Meine Augen sahen eine Menge Menschen, meine Ohren hörten unzählige Geschichten, mein Herz spürte die Verzweiflung, die längst nicht alle formulieren wollten. Die darin erahnte Summe des Leids in all seinen Formen auf der anderen Seite der Fassaden liegt mir seither auf der Seele. Ich bringe sie vor Gott und will sie bei ihm abgeben. Doch das Erlebte hat mir die unschuldige Naivität geraubt. Nun weiß ich, was in der schönen neuen Welt da draußen wirklich abgeht. 

Das Schlimmste von allem ist jedoch die allgegenwärtige, übermächtige Lüge der Hoffnungslosigkeit. Stellt Euch vor, Ihr kommt an einer Brücke vorbei, wo ein Mensch dabei ist, sich das Leben zu nehmen. Ihr wollt natürlich helfen und haltet an, beginnt ein Gespräch, nehmt euch Zeit. Eine kleine Beziehung beginnt und ihr erfahrt, dass der Grund zum Sprung in die Tiefe ein platter Reifen ist. Ihr seid überrascht, dass eine eurer Meinung nach so kleine Ursache so dramatische Wirkung haben kann.  Alle Erklärungsversuche, dass dieses Problem doch ohne Weiteres gelöst werden kann, gehen in den Wind: euch wird erläutert, dass das ganze Leben doch ein platter Reifen sei, der ohnehin immer wieder platze, schön, dass ihr ja noch so wunderbar optimistisch seid, schön dass euer Glaube euch da hilft, bewahrt euch das mal schön, denn irgendwann werdet auch ihr es bitter nötig haben, doch meinen Reifen, nein, den flickt keiner mehr, zu oft geflickt, selbst neue Reifen halten nicht. Und dann verschwindet jener Mensch vor euren Augen im Nebel. Ihr könnt nichts machen außer hoffen, dass der Sprung ins Wasser ging, überlebt wurde und jener Mensch dann doch noch einen Neuanfang schafft und lernt, die Nagelbretter dieser Welt zu vermeiden. Solche Geschichten habe ich (ein bisschen zu) oft erlebt. Meist war der platte Reifen irgendeine Form der Einsamkeit. Die Luft war raus und man war zutiefst überzeugt, dass dies niemals zu lösen sei. Die Hölle der Einsamkeit ist erträglicher als die Hölle der Gemeinschaft.

Zu viele haben sich entschieden, der Hoffnungslosigkeit ihren ganzen Glauben zu schenken, und oft beruht dieser Glaube auf zu vielen schlechten Erfahrungen. Und wahrscheinlich auch auf einer aktiven geistlichen Lüge, deren Kraft nicht zu unterschätzen ist. All unsere Liebe, unsere Versuche zu helfen bleiben ein Tropfen auf den heißen Stein. 

Ich frage den Herrn, warum Er denn nicht mehr dagegen tue. Schließlich ist es doch Seine Welt und es sind Seine Menschen, die er liebt. Und Er scheint zu antworten, dass Er doch schon alles getan habe. Aus Liebe könne und wolle Er aber niemanden zwingen. Er biete alle Seine Hilfe und Seine ganze Kraft an, doch der Mensch müsse die Hilfe auch wirklich annehmen wollen.

Und außerdem, so erinnert Er mich, habe ich während meiner vielen Gebetsmärsche doch auch immer wieder darum gebeten, die Welt mit Seinen Augen sehen zu dürfen. Und weil ich dieses Gebet wirklich ernst gemeint habe, habe Er mir gezeigt, wie die Welt für Ihn ist. Heute freue Er sich darüber, dass ich Ihm in diesem Prozess etwas ähnlicher geworden sei und gelernt habe, das Herz meines Herrn ein wenig besser zu verstehen.  


11 Januar, 2017

H2O im Rückspiegel



Im Rückspiegel sieht vieles ganz anders aus als durch die Windschutzscheibe.

Als wir vor zehn Jahren begannen, unseren Dienst in Göteborg vorzubereiten, kristallisierte sich der Auftrag heraus, neue Ansätze für die Gemeinde der Zukunft zu entwickeln, und zwar durch den Start eines Pilotprojektes. Vor unserer Ausreise sah der Plan im Groben so aus:

a) Möglichst viele Menschen weit außerhalb bestehender Kirchen und Gemeinden kennenlernen und freundschaftliche Beziehungen zu ihnen aufbauen und pflegen

b) Mit Unterstützung vieler Fürbeter möglichst viele kreative Ideen entwickeln und testen, wie das Evangelium dort proklamiert werden kann, wie man Interesse weckt und um dann dazu einzuladen

c) Eine Anzahl x Menschen wird erwartungsgemäß daraufhin Jesus und neues Leben finden und sowohl mit Jesus als auch in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten leben wollen (x war nicht definiert, doch lag wahrscheinlich gefühlt irgendwo zwischen 30 und 100)

d) Gemeinsam mit den Leuten aus der Menge x entwickeln wir Ideen und Ansätze, wie Jüngerschaft in unserer Zeit gelehrt und eingeübt werden kann

e) Nach erreichter Selbstständigkeit wird der gesamte Prozess ausgewertet und daraufhin neue und ähnliche, aber angepasste Projekte in nah und fern gestartet und zu einem mehr oder weniger losen Netzwerk verknüpft

f) Die Summe aller Erfahrungen wird allen Gemeinden als eine Ressource für Missions- und Gemeindegründungsarbeit zur Verfügung gestellt.

So weit, so gut.

Punkt a) und b) hat unsere Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.

Punkt c) wurde hingegen zum Hornberger Schießen: unsere "gefühlten" Erwartungen an x waren maßlos übertrieben. Nur extrem wenige haben es geschafft.

Mit c) als schwächstem Glied der Kette kam es nie zu d) - f), jedenfalls nicht, wie erwartet. Stattdessen wurde a) und b) wiederholt und schließlich H2O vom eigenen Team und damit vor allem von langjährigen, wenn auch sehr missionarischen Christen geformt, aber kaum unter Einbeziehung Neubekehrter.

Diese Geschichte ist nach wie vor eine Fallstudie aus der es viel zu lernen gibt. Im Laufe der Zeit habe ich auf new-reformation eine Menge Blogposts geschrieben, die das Erlebte vorstellen, dokumentieren, reflektieren und bearbeiten. Viel gehört jetzt ausgewertet, denn erst im Rückblick ergeben manche Dinge Sinn, viel mehr, als zunächst klar war. Muster werden erkennbar. Eines davon möchte ich heute erwähnen.

Obwohl wir uns als bewusst "missionales" Projekt klar von erfolgreichen "attraktionalen" Megagemeinden wie z.B. CA's Crossroads-Gemeinden distanziert haben, sind wir unterbewusst mit derselben Grundannahme wie z.B. Willow-Creek ans Werk gegangen: Der Wunsch nach "relevanter" Gemeinde. Was uns von Mega- und weniger Megagemeinden unterschied, war der Wunsch, weniger Programm im Gemeindehaus und dafür mehr Beziehung auf Grund und Boden des Missionsfelds zu haben. Obwohl das an sich sehr gut ist und dringend benötigt wird, so ist der Kern der Sache doch derselbe: Wenn Form und Inhalt stimmen, dann wächst auch die Gemeinde. Im Grunde wollten wir mit Hilfe der potentiellen Ernte auf dem Missionsfeld noch bessere Form und noch relevantere Inhalte finden. Auch dies ist sehr gut und wird, wenn gut gemacht, dringender gebraucht  denn je. Problematisch wird allerdings die Schlussfolgerung "... dann wächst auch die Gemeinde."

Hier haben wir eine Hypothese, die mir im Laufe der Jahre immer und immer und immer wieder und noch einmal begegnet ist. Man findet sie Gemeinden, in Literatur, auf Konferenzen, in theologischen Ausbildungen und ganz besonders in Gemeindeentwicklungs- und -gründungskursen. Selten ist sie klar und deutlich formuliert. Meist findet man sie zwischen den Zeilen in Form von Geschichten. Doch die meisten Gemeindeleiter, Missionskommitees und so weiter werden unterbewusst davon gesteuert.

Das Problem wird deutlich, wenn man es umgekehrt ausdrückt: Wächst die Gemeinde nicht, dann stimmen Form und/oder Inhalt nicht. An genau dieser Hypothese sehe ich eine wachsende Anzahl Leiter, Missionare oder Pastoren verzweifeln. Sie sehen nicht das gewünschte Wachstum, damit stellen sie logischerweise ihren Dienst, ihr Leben, sogar ihren Glauben in Frage. Manche geben auf, immer mehr landen im Burnout, viele leben in heimlicher Scham. Wenn Gemeindewachstum allein von Form und Inhalt abhängig ist, hängt nämlich der Wert des Leiters vom messbaren Erfolg ab.

Diese Annahme muss ich massiv in Frage stellen. Es handelt sich hier um eine Missionsvariante des sogenannten Wohlstandsevangelium: Wer alles richtig macht, erhält den Segen Gottes. Für Privatpersonen kann der Segen die Form von Rolexuhren oder Mercedessternen haben. Für Pastoren sind es große Gemeinden oder beachtete Bewegungen. Wer nichts macht, bekommt auch keinen Segen und damit weder Luxus noch Gemeindeeinfluss. Wer alles falsch macht, bekommt Minussegen, auch als Fluch bekannt. Vielleicht ein schwerer Unfall oder eine Krankheit.

Das Wohlstandsevangelium muss sich in allen seinen Formen harte Fragen gefallen lassen. Vor allem muss man die Theologie hinter dieser Prämisse ganz massiv hinterfragen. Wie wir Erfolg definieren, wo unsere Identität und Loyalität in Wahrheit liegt, was "Segen" ist und was nicht, welchen Wert Ausdauer, Treue und Resilienz in unserer Theologie haben, die Anzahl aller darin eingebauten "ja, abers", welche Werte wir mit unserem Geldbeutel bestätigen und welche nicht - viele, viele unbequeme Fragen.

Über die "Gemeinde der Zukunft" nachdenkend, erwachsen aus solchen Gedanken für mich unter anderem zwei Schwerpunkte.

Erstens, eine Lanze für alle brechen, die nicht aufgeben. Dazu gehört, alle Missionare loben, die im Laufe der Missionsgeschichte ihr Leben auf dem Feld gelassen haben, ohne je eine einzige Frucht zu sehen. Jene ermutigen, die sich samt ihren Dienst für Versager halten.

Zweitens, unserer Theologie mal etwas auf den Zahn zu fühlen und fragen, warum sich bei uns ein solch verkapptes Wohlstandsevangelium so penetrant verbreiten konnte. In Zahnlöchern herumpopeln ist schmerzhaft. Doch schmerzhaft kann sehr heilsam sein.

Besser ändert die Gemeinde noch in der Gegenwart den Kurs, bevor sie verzweifelt durch die Windschutzscheibe starrend mit Karacho an die Mauer knallt.



10 Januar, 2017

Missional, theologisch, kreativ


Missional, theologisch, kreativ - diese drei Schlagwörter haben wir im EAT (Communitas' European Advancement Team) herausgearbeitet, um den Weg für nachhaltige Gemeinden der Zukunft zu bereiten. Auch auf unserem gestrigen, ersten Treffen im neuen Jahr haben wir weiter darüber gesprochen.

Heute möchte ich Euch gerne einen Artikel vorstellen, den ich für sehr gut und inspirierend halte. Und das, obwohl er noch nicht mal von einem Christen verfasst wurde. Er handelt von "kreativen Minderheiten", ein sehr treffender Begriff für die Gemeinde der Zukunft, und wurde vom ehemaligen britischen Großrabbi Jonathan Sacks vor drei Jahren veröffentlicht.

Ich wünschte, ich hätte die Zeit, ihn für Euch übersetzen zu können, doch leider geht das nicht. Wenn Ihr des Englischen mächtig seit, möchte ich Euch diesen Artikel mit einer guten und großen Tasse Tee wärmstens ans Herz legen.

Ihr findet ihn hier:

https://www.firstthings.com/article/2014/01/on-creative-minorities

Segen beim Lesen!

09 Januar, 2017

Auf zu neuen Ufern

Ein neues Jahr, der erste Arbeitstag. Meine wichtigste Aufgabe heute wird das erste EAT-Treffen (European Advancemend Team) für 2017 vorzubereiten und zu leiten. Doch vorher noch eine paar andere Planungen und Telefonate - Dinge erledigen, von denen ich glaube, dass der Herr sie mir während der Pause auf's Herz gelegt hat. Doch vor allem: E-Mails, E-Mails, E-Mails... 

Es ist leicht in E-Mails zu ertrinken...

07 Januar, 2017

Lass mir Flügel wachsen

”Doch die auf Jahwe hoffen, gewinnen neue Kraft. 
Flügel wachsen ihnen wie den Adlern. 
Sie laufen und werden nicht müde, 
sie gehen und werden nicht matt.”
Jesaja 40:31 NBH

Schon als 16-jähriger habe ich Zeitungsanzeigen von Flugschulen studiert; ich liebte das Fliegen schon immer und werde wohl nie genug vom Gleiten durch die Wolken bekommen. Es erinnert mich ein bisschen an den Himmel. Von daher spricht mich Jesaja 40:31 besonders an. In der vergangenen Weihnachtspause habe ich länger darüber meditiert. 

Will kein Pilot mehr werden, diese Zeiten sind wohl vorbei. Heute begeistert mich vor allem Jesajas pointierter Kontrast zwischen V 30 und 31:  Wo vermeintlich Starke sich gehörig aufs Gesicht legen, geht der vermeintlich Schwache neben ihnen nicht nur aufrecht weiter, nein, wer hätte es gedacht, ihm wachsen bei gleicher Belastung sogar Flügel (!) zum filmreifen Take-off. Während der Muskulöse sich stöhnend im Dreck wälzt hebt der Schmächtige locker-flockig Liedchen flötend ab. Seine Lasten werden mit ihm schwerelos. Er schwebt auffwärts.

Nur wer seinen Blick so fest wie wie ein Kreuzesnagel auf Jesus nagelt und sich durch nichts, gar nichts von ihm ablenken lässt, wird sein Leben fliegend gelingen lassen. 

In diesen paar freien Tagen zwischen Weihnachten und Heilige-Drei-Könige habe ich von Maria gelernt und mich für eine Pause zu Füßen Jesu entschieden. Und gehe davon aus, bald wieder himmlische Starterlaubnis zu erhalten.

06 Januar, 2017

Nachchristliche Dogmatik

Heutige Menschen haben die alten Doktrine satt. Man will sich nicht mehr vorschreiben lassen, wie man was richtig zu glauben hat. Doch bei genauem Hinsehen lebt die nachchristliche Gesellschaft ihre eigenen Dogmen. Sie mögen nicht systematisch beschrieben und gelehrt werden, doch sie sind da, sie sind stark und und sie sind alles andere als tolerant. Hier sind einige:

  • Der Mensch ist im Kern gut. Es gibt keine Erbsünde. 

  • Der Sinn des Lebens besteht darin, Glück, Befriedigung, einen unabhängigen und freien Lebensstil zu finden sowie sich selbst zu verwirklichen. 

  • Gäbe es keine konservativen Kräfte, würde die Welt durch Fortschritt zu einem immer bessereren Platz werden. 

  • Persönliche Freiheit und Selbstbestimmung ist wichtiger als Unterordnung. 

  • Es gibt keine absolute Wahrheit. Jeder mus seine Wahrheit selbst finden. 
 
  • Traditionelle Gruppen wie Religionen spielen bestenfalls kleinere Rollen am Rande der Gesellschaft als eine Art Dienstleister oder Krankenhaus. Aus dem gesellschaftlichen Zentrum müssen sie entfernt werden, um Fortschritt und Toleranz nicht zu behindern. Im Bedarfsfall wird von ihnen aber absolute Professionalität und Zuverslässigkeit erwartet. 

  • Niemand erwartet, dass diese Dogmen logisch sind. Man muss ihnen nur zustimmen.


05 Januar, 2017

Die Exklusivität des Kreuzes vs. die Exklusivität des Westens

Zum Vater kommt man ausschließlich durch mich.
Jesus (in Johannes 14,6)

Zwei Trends kann man heute leicht erkennen: Erstens, dass jeder nach seiner eigenen Façon selig werden soll und es keinen einen Weg geben darf. Zweitens, dass rechtsradikale Politiker gewählt und Grenzen geschlossen werden. Beides sind Symptome fortgeschrittener Säkularisierung. Der Mensch betet sich selbst an und will seinen Thron weder von Gott noch Mitmenschen in Frage stellen lassen. Große Summen westlicher Menschen halten sich für etwas ganz besonderes und wollen ihre Exklusivität um jeden Preis bewahren. Beide Trends führen zu Einsamkeit als Vorstufe zur Hölle. Nur wo die Exklusivität des Kreuzes mit seiner Aufforderung zur drastischen Umkehr betont und gelebt wird sieht man die Inklusivität des Gottesreiches: Jeder ist willkommen und für alle gibt es mehr als genug. Diese Welt könnte eine Vorstufe des Himmels sein. Doch am Ärgernis des Kreuzes führt kein Weg vorbei.

04 Januar, 2017

Humanistischer Ramsch

Der atheistische Humanismus 
hat viele Werte und Praktiken übernommen, 
die im Ursprung christlich sind; 
doch losgelöst von ihrer Quelle sind sie machtlos, 
unfähig, Stärke und Glaubwürdigkeit zu bewahren. 
Geist, Vernunft, Freiheit, Wahrheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit, 
ohne diese großartigen Dinge gäbe es gar keinen Humanismus. 
Sie werden unwirklich, 
sobald sie nicht als Strahlen Gottes gesehen werden, 
der sie mit Leben und Vitalität füllt. 
Gibt man den Glauben an den lebendigen Gott auf, 
verlieren sie ihre Substanz 
und verkommen zu leeren Formen. 

Henry de Lubac

03 Januar, 2017

Jesus Friedefürst


Und sein Name ist Friedefürst.
Jesaja 9, 5

Nach einem Jahr des Terrorismus und zu Beginn eines neuen Jahres, das in Sachen Gewalt nichts Besseres versprechen kann, müssen wir Christen uns die ernsthafte Frage stellen, wie wir gedenken, den Fürst des Friedens als solchen wirklich bekannt zu machen. Eine erschreckend große Mehrheit hält heutzutage den Fürst des Friedens insgeheim für einen verkappten Kriegstreiber, den Chef Kinder missbrauchender Unverheirateter in religiösen Roben und hohen Kopfbedeckungen, ein Sandalenweichei oder ähnliches.

Doch was ist mit dem Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt? Wo ist der, der die Unbedeutenden hervorhebt und die Starken blamiert? Wo hört man seine mutigen Reden und Fragen, die die unterdrückenden Machthaber als Möchtegernhunde blamiert? Was ist mit dem Mann, der den wahren Kriegstreibern nicht nur den Krieg, sondern auch eine qualvolle Niederlage ankündigt - und damit endgültigen Frieden? Wo ist der Mann, der es mit dem Tod selbst aufnimmt, jenem ultimativen Kriegstreiber, in seine schwarze Höhle eindringt und siegreich wieder heraustritt?!

Und wo siend die, die behaupten, ihm nachzufolgen? Wo sind seine Nachahmer? Wo sind sie, die wirklich in Seinen Fußstapfen wandeln, die sich nicht zu schade sind, ihr Leben im Namen des Fürst des Friedens auf's Spiel zu setzen?

Ich denke, wir Christen haben nicht nur die Antwort, nach der die Welt so verzweifelt sucht. Ich denke auch, die Antwort liegt genau da, wo die westliche Welt sie heute am wenigsten vermutet.

Wie können wir den, der uns Frieden verspricht, den die Welt nicht geben kann, neu proklamieren?
Wie können wir das auf kleiner, persönlicher Ebene tun? Was kannst DU tun?
Wie können wir es auf größerer, gemeindlicher Ebene tun? Was könnt IHR tun?
Wie können wir es großer, nationaler Ebene tun? Was können WIR tun?
Wie können wir es auf globaler Ebene tun? Was können ALLE tun?

Es ist überfällig, sich hinzusetzen und stille zu werden, ein opferbereites Herz zu entwickeln und sich vom Friedefürst persönlich durch den Heiligen Geist leiten zu lassen. Ich denke, es ist an der Zeit, eine echte Alternative zum tägichen Nachichtenblabla anzubieten.

02 Januar, 2017

(K)ein Rap zur Jahreslosung 2017

Die Musik steht. Wahrscheinlich die beste, die ich je hatte. Der Text steht weitestgehend, ebenso Ideen zum Video. Soweit bin ich bis September gekommen. Doch dann kam der Herbst, der mir buchstäblich jede freie Minute geraubt hat. Und freie Sekunden reichen nicht zum kreativen Schaffen.

Und weil der Rap nur ein kleines Hobby ist, habe ich mir keine Rute an den Hintern geknotet. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Reime kommen, wie sie kommen, ebenso die Filmlocations und die Postproduktion. Aber dann! Dann rappen wir uns schlapp, aber nicht zu knapp!

Und zwar, so viel kann ich heute schon verraten, mit einem neuen Herz...

01 Januar, 2017

10 Dinge, die's vor 10 Jahren noch nicht gab (und warum das so wichtig für Gemeinden ist)

Herzlich willkommen im Jahre 2017! 

Ich hoffe, Ihr seid gesund herübergekommen und habt allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu sehen.

Als wir vor 10 Jahren das erste Mal Silvester in Schweden feierten, hatten wir gerade erst damit angefangen, Ansätze und Ideen für die Gemeinde der Zukunft zu entwickeln. Aus einem kleinen, bayerischen Dorf kommend kam es uns damals grad so vor, als seien wir selber direkt in die Zukunft gezogen.

Doch heute möchte ich Euch 10 Dinge vorstellen, die es vor zehn Jahren noch gar nicht gab - bzw. von denen zu Silvester 2006 noch keine Rede war. Wenn Ihr die Liste seht, werdet Ihr manchmal denken: ”Echt jetzt?! Das gab’s da noch nicht?!” In der Tat, es ist schwer zu glauben. So sehr haben wir uns heute an so manches gewöhnt.

Legen wir los:

Nummer 1: YouTube

Streng genommen wurde YouTube schon 2005 gegründet, aber vor 2007 hat’s in unserem Teil der Welt kaum jemand beachtet. Heute ist eine Welt ohne das Videoportal undenkbar: Rezepte, Trailer, Urlaubsfilmchen - alles ständig verfügbar und noch viel, viel mehr.


Nummer 2: Spotify

Eine echte und typisch schwedische Erfindung aus Stockholm im Jahre 2006: Musik, Musik, Musik. CDs sind out, streaming ist in. Auf Spotify gibt es mehr Musk, als du für den Rest deines Lebens mit zwei Ohren hören kannst.


Nummer 3: iPhone
Ja, das erste Smartphone der Welt kam erst 2007 raus. Vorher waren Handys noch Handys, mit denen man nur telefonieren und simsen konnte, bestenfalls gab’s eine Spielzeugkamera eingebaut. Echte Hipster konnten zwar auch damals schon Webseiten öffen, die aber ca. 30 min zum Öffnen brauchten und dafür ziemlich beschissen aussahen.


Nummer 4: AirBnB 
Ganz, ganz früher ist man so gut wie gar nicht gereist.
Ganz früher buchte man eine Reise an einer Stelle, die einst als Reisebüro bekannt war.
Früher buchte man ein Hotel im Internet.
Heutzutage kann man sozusagen auf jeder privaten Couch der Welt übernachten, dank AirBnb, gegründet 2007.


Nummer 5: Kindle
Ja, das waren noch Zeiten, als Leseratten immer ein ganzes Ikearegal für ihre Bibliotek auf Reisen mitschleppen mussten. Heute wiegen 1000 Bücher nur noch 200 Gramm, dank E-Readern wie dem Kindle, der erstmals 2007 vorgestellt wurde.








 Nummer 6: Android



Das kleine grüne Männchen landete 2008 mit dem ersten Android-Phone auf unserem Planeten Gehört auch in die Kategorie Smartphones, kann auch recht viel und ist obendrein Open Source.





Nummer 7: Canon EOS 5d mk II (2008)
Als 2008 die Canon 5d mk II vorgestellt wurde, hatte sogar der Hersteller selbst keine Ahnung, welche Revolution man auslösen würde: Zum ersten Mal konnte man mit einem Vollformatsensor filmen und damit eine Bildqualität erreichen, für die man vorher viele, viele zehntausende €€€ hinblättern musste. Damit wurde die Geschichte des filmischen Geschichtenerzählens vollständig und dauerhaft revolutioniert.




Nummer 8: Tesla
Der erste Elektrosportwagen kam 2008 raus, 2012 folgte Model S. Belächelt und wenig ernst genommen mischte Elon Musk die Autoindustrie gewaltig auf, die nun hektisch versucht, den Anschluss nicht völlig zu verpassen. Wahrscheinlich sollten wir alle schon mal den Elektriker für einen Stromanschluss in der Garage bestellen, denn die elektrische Zukunft des Autos lässt sich wohl nicht mehr verleugnen.

Nummer 9: Tablets

Der Laptop - an sich schon eine technische Meisterleistung - wird mehr und mehr von Tablets verdrängt. 2010 erblickte das iPad als erstes funktionierendes Tablet das Licht der Welt der Massenanwender. Und wenn ich das richtig sehe, dann wird so manches heutige Kleinkind eine Welt ohne Tablets schon bald mit Neanderthal verwechseln.



Nummer 10: Snapchat, Instagram & Co.



Smartphones und Tablets brauchen Apps. Gute zwei Millionen davon sind jeweils auf Google Play oder dem Apple App store erhältlich. Zwei besonders beliebte Applikationen sind Instagram erstmals vorgestellt im Jahre 2010, quadratisch, praktisch, gut für Fotophantasten



und Snapchat, herausgekommen im Jahre 2011, mit dem man kreative Fotokonversationen führt. So kommuniziert man heute - naja, zumindest wenn man jünger ist als, sagen wir… 50.



Alle diese Dinge kamen erst in den letzten 10 Jahren heraus und sind heute untrennbar mit unserem Alltag, unserer Arbeit, unserem ganzen Leben verbunden.

Und jetzt kommt die 100.000-Euro-Frage:




Seht ihr, hier liegt das Problem:
Alle diese Dinge beeinflussen unseren Alltag enorm. Unser Denken, unser Fühlen, unser Handeln, unser Schlafen. Stellt Euch vor: Ich kenne lebende Menschen, die wurden zu einer Zeit geboren, als es noch nicht mal Radios gab. Der Großteil unserer Theologien kommt aber aus Zeiten lange, lange vor dem Radio. Im Grunde müsste sich mindestens 50% aller Unterweisung in Gemeinden um solche Dinge drehen.

Doch wenn wir Christen noch lange glauben, die Bibel habe nichts zu Elektroautos, Digitalkameras oder Musikstreaming zu sagen, dann sehen wir bald aus wie diese eingefrorenen Mammuts in der Tundra.

Wenn Du aber glaubst, dass die Bibel nicht nur heute, sondern auch in Zukunft relevant sein wird, und wenn du dich gemeinsam mit uns dafür einsetzen möchtest, dass Kirchen keine Museen und Christen keine Fossilien werden, dann gehe ganz schnell ganz unten auf das Kontaktformular, schreib mir hallo und lass mich wissen, was DU gerne tun möchtest.

Wir hören uns!

Alles Gute und: Mach’s besser!



31 Dezember, 2016

Guten Rutsch!

29 Dezember, 2016

Betet für die Gemeinde der Zukunft

Gebetsclip für Dezember 2016 mit Rück- und Ausblick.

Im Clip zeige ich Euch außerdem meinen persönlichen Gebetsberg gleich hinter der Siedlung.




(GB-046_16-12)

24 Dezember, 2016

Gesegnete Weihnachten

Wir wünschen allen unseren Freunden, Verwandten, Fürbetern, Unterstützern, kurz, allen, die uns kennen uns lieben ein frohes, friedliches und gesegnetes Weihnachtsfest!


12 Dezember, 2016

Missionszukunftsmusik

Das Communitas Global Advancement Team im Foyer der "Guild"

Wahrscheinlich habt Ihr's mich schon öfter sagen hören: Falls keine unvorhergesehenen, angenehmen Überraschungen am Horizont auftauchen so werden auf die Gemeinde des Westens in den kommenden Jahrzehnten dramatisch herausfordernde Zeiten zukommen, unter anderem finanzieller Art. Man braucht kein Prophet zu sein, um das sagen zu können, doch meine prophetische Gabe bestätigt es trotzdem. Wohl dem, der das Unheil nahen sieht und sich vorbereiten kann. Nur wie?

Neben all dem "Typischen", was man so meinen könnte, dass es zu meinen Aufgaben als Missionsdirektor gehören sollte, so geht ein nicht unerheblicher Teil meiner Arbeit in die Forschung und Entwicklung von konkreten Alternativenm um Mission nachhaltig zu gestalten. Diese Arbeit geschieht weitestgehend im Verborgenen - etwa unter der Kategorie "Was treibt der eigentlich die ganze Zeit?" Zur Arbeit im Verborgenen gehört lesen, Kontakte aufbauen, treffen, diskutieren, beten, beten lassen, Versuche wagen, weiterlesen, weitere Kontakte aufbauen und so weiter.

Heute kann ich euch erstmals ein kleines großes Ergebnis präsentieren. Das sogenannte Communitas Global Advancement Team, dessen Teil ich bin, konnte auf seinem vergangenen Treffen in Denver, Colorado, die frisch eingeweihte "Guild" bestaunen, an deren Aufbau einige Communitasler viel und hart gearbeitet haben. "Die Gilde", wie sie übersetzt heißt, ist ein sogenannter Coworking Space, an dem kleinere Unternehmen Platz zum Arbeiten und für Veranstaltungen mieten können. Dabei soll dieses Konzept eine Kette werden, wo wir entweder selbst weitere "Gilden" an verschiedenen Orten eröffnen oder Lizenzen an Franchiser vergeben.

Zu den Zielen gehört kurzfristig, unsere regionalen Budgets deutlich zu vergrößern, mittelfristig die kompletten Verwaltungskosten der Organisation zu decken und langfristig sogar Missionare anstellen zu können, ohne dass sie einen Freundeskreis aufbauen müssen. Obwohl Spenden natürlich weiterhin gewünscht, genommen und auch als hervorragende geistliche Übung gesehen werden, so wollen wir vorbereitet sein, wenn in nicht allzu weiter Zukunft ein großer Teil der treuen Spender einfach in die Ewigkeit eingehen wird. Communitas ist damit eine der sehr wenigen, wenn nicht sogar die einzige und erste Missionsgemeinschaft, die das Konzept "Business As Mission" (BAM) zukunftsorientiert auf Organisationsebene umsetzt. Darauf bin ich ehrlich gesagt stolz.

Und während andere Kollegen Möglichkeiten suchen, weitere Gilden zu eröffnen, so arbeite ich im Verborgenen an der Vorbereitung und konkreten Entwicklung anderer Ideen, um Mission auch in 25 Jahren nicht aussterben zu lassen.

Hey, und glaub' ja nicht, dass das alles ganz ohne Gebet geht!  
Magst Du jetzt schnell ein kurzes Gebet um Wegweisung, Weisheit, Kreativität, Mut und Frucht zum Himmel schicken?

10 Dezember, 2016

Das Wunder von Kolosser 1

”Er, Christus, ist das Abbild des unsichtbaren Gottes, und steht über allem Geschaffenen. Denn durch ihn ist alles, was es im Himmel und auf der Erde gibt, erschaffen worden: das Sichtbare und das Unsichtbare; Thronende und Herrschende; Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und für ihn geschaffen. Er steht über allem und alles besteht durch ihn.”
Kolosser 1:15-17

”Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen”
Kolosser 1:19

”Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Ich setze also meinen Körper für das ein, was von den Leiden des Messias für seine Gemeinde noch aussteht.”
Kolosser 1:24

”Für dieses Ziel setze ich mich mit aller Kraft ein und vertraue dabei auf das, was er in mir schafft, er, der so mächtig in mir wirkt.”
Kolosser 1:29

Es gibt Augenblicke, da müssen wir Freikirchler unumwunden zugeben, dass auch wir nicht alles wissen. Wir sind ja bekannt dafür, auf alles eine Antwort zu haben und alles erklären können und wenn nicht, dann haben wir nur noch nicht tief genug das Wort studiert. Diese gefühlte Arroganz wurzelt tief in unserer Geschichte, entstanden viele freikirchliche Verbünde doch in den Glanztagen der Moderne, wo man zutiefst überzeugt war, das ganze Leben sei erklärbar, messbar, lösbar. 

Wie allerdings Kolosser 1 erklär-, mess- und lösbar sein soll, bleibt wohl zumindest in diesem Leben für immer ein Rätsel.

Der sichtbare Christus als Abbild des unsichtbaren Gottes, da geht es schon los. Wie ist das erklärbar? 

Alles ist durch ihn erschaffen worden - alles! Wieviel messbare Energie steckt darin? Eigentlich kein Wunder, dass manche Wissenschaftler es schwer haben, das zu glauben. Es ist einfach zu groß.

Das angedeutete Mysterium in V28 und 29 über Christus in uns und wir in Christus - wie kann ein ein derart mächtiges und überlegenes Wesen wie Christus, Abbild des Allmächtigen, in schwachen und zerbrochenen Wesen wie den Menschen existieren? Wir Freikirchler sagen es gerne einfach so dahin, als sei es so selbstverständlich wie eine Semmeltüte,  doch Kolosser eins macht das Unerklärliche überdeutlich.

Und wenn der Allmächtige mit seiner Superpower schon in uns lebt, dann müsste seine kreative, wunderbare Schöpferkraft doch in der Lage sein, unsere Schwäche auszugleichen und unseren Zerbruch im Handumdrehen zu heilen, nicht wahr? Stattdessen lesen wir aber von noch mehr Leiden! Leiden, die mit Freude etragen werden; Leiden, die noch fehlen (!) - offenbar solche, die Christus in der Passionswoche nicht ganz fertiggelitten hat. Wie bitte?!

Kolosser 1 ist voller schwerer Geheimnisse. Doch lässt man sich auf die Mystik ein, versucht nicht, onkelmäßig die Logik aufzuzeigen und für alles sofort eine Erklärung zu finden, ruht man ein wenig im Unerfoschlichen, lässt man die Seele erwartungslos in den Geist Gottes sinken, dann beginnt nach einer Weile ein Schatz zu funkeln.

Es ist Vollkommenheit, die uns erwartet. Der Weg zur Vollkommenheit geht durch's Feuer, und Feuertaufe ist Leidenstaufe. Was sich wie schmerzhafte Schläge gegen uns anfühlt, ist der Hammer, der einen weiteren unserer vielen Schäden ausbeult. Wenn selbst Christus Gehorsam lernen musste, dann müssen wir's doch wohl erst recht. Der Weg zur Volkommenheit ist mühevoll, wenn nicht sogar qualvoll. Es ist unsere Mühe, doch Gottes Kraft. Seine Kraft, die uns durch- und aushalten lässt. Seine Kraft, ohne die Vollkommenheit unmöglich bleibt. Gott lässt nichts automatisch geschehen. Christus musste kommen und leiden. Seine Nachfolger folgen ihm durchs Leid zur Herrlichkeit.

Mit dieser Perspektive bekommt das Schwere plötzlich ein Ziel und damit einen Sinn. Wer Ziel und Zweck kennt, hat Geduld gelernt. Wer Geduld hat, kann Dankbarkeit lernen. Wer im Leid dankbar sein kann, ist anders als die Welt. Ist mehr wie Christus, und damit ein Zeuge der Passion. Ein solcher Zeuge hilft anderen Menschen, vollkommener zu werden.

Hilf Herr, uns für dieses Ziel mit aller Kraft einzusetzen und dabei auf das zu vertrauen, was Du in uns schaffst, der Du so mächtig in uns wirkst. Amen.


Glaube an Jesus und werde sofort alle Probleme los.



Ihr werdet die herrliche Kraft Gottes an euch erfahren, damit ihr alles geduldig und standhaft ertragen könnt. Dann werdet ihr mit Freude dem Vater danken, dass er euch fähig gemacht hat, an dem Erbe teilzuhaben, das für sein heiliges Volk im Licht bestimmt ist. 
Kolosser 1, 11-12

Die Kolosser sind gerade etwas aufmüpfig. In einer Tour stellen sie sich mir in den Weg und schmeißen mir ständig ihr erstes Kapitel vor die Füße. Als ob ich nichts anderes zu tun hätte. Aber man will ja nicht unhöflich sein, also nehme ich es und lese. Kolosser eins. Mann! Als hätte ich es noch nie gehört. Schließlich hab ich Theologie studiert! Klar kenn ich Kol 1!

Naja gut, Vers 11 hatte ich vielleicht etwas vergessen. Obwohl, die Kraft Gottes, ja, die habe ich in der Tat erfahren. Eine enorme Sache ist das. Doch im Moment grad nicht so enorm. Da geht mir vom vielen Steine-aus-dem-Weg-räumen eher die Puste aus. Nix mit Gottes Kraft, die alle Steine wegpustet. Doch jetzt steht da plötzlich, dass wir das alles geduldig und standhaft ertragen sollen! (Ist das vielleicht eine neue Bibelauflage?! Das stand doch noch nie da!) Ich stutze. Geduldig. Und standhaft. Mit Gottes Kraft. Klingt anstrengend. Und darüber soll ich mich auch noch freuen? Und, ich zitiere, "dem Vater DANKEN"?!

Kann grad nicht weiterlesen. Die Kolosser haben mich doch glatt erwischt. Ich werde nachdenklich.

Mein Hirn denkt ja immer in Farben, Formen und Bildern, und plötzlich sehe ich mich selbst auf einer Trainingsbank sitzen. Es ist das Fitnesstudio in Storås, wo ich eine Zeitlang trainiert habe, um Menschen in Angered kennenzulernen. Ich sehe mich einige Kilos stemmen und die Anzahl der Gewichte erhöhen. Da steht jemand neben mir. Er feuert mich an. Erkennen kann ich diese Person nicht, man sieht sie nur von hinten, aber es muss ein Profi-Bodybuilder sein. Einer von dem Format,  neben dem Spargeltarzane wie ich unmittelbar Minderwertigkeitskomplexe kriegen. Doch der Typ scheint echt zu glauben, eines Tages könne ich so groß und stark wie er werden. Deshalb hält er mich motiviert und bei Laune.

Doch dann, ganz wie im Film, schwenkt der Bodybuilder aus dem Bild, auf Schweiß in Nahaufnahme, das Spannen von Muskeln und Sehnen, ich höre mein eigenes Stöhnen und Ächzen. Ein paar Sekunden später kommt das Voicer-over, eine äußerst angenehme Damenstimme. Sie erklärt, dass die wahre Kraft nicht in den Muskeln, sondern in der Seele sitzt. Denn wer stark sein wolle, müsse zwar das Fleisch trainieren. Doch der Geist allein entscheide darüber, ob man wirklich stärker werde oder vorher mit dem Training aufhöre.

Da ist wohl was dran.

Mein Nachdenken über die weise Sprecherin erinnert mich an jene alte Lügenreklame über Gottes Reich: Glaube an Jesus und werde deiner Probleme quitt! Dieser Slogan hat viele, zu viele frustriert. Hat manche dazu bewegt, ihren Glauben aufzugeben, weil Jesus eben doch nicht alle Probleme löste. Und ein Teil von mir glaubt jenem Lügenslogan offenbar immer noch. Sonst wäre ich wohl kaum so frustriert über Steine im Weg.

Eigentlich müsste es heißen: Glaube an Jesus und du wirst am Ende nicht nur stark genug sein, jedes Problem tragen zu können, sondern dabei auch noch froh und dankbar zu sein. Dazu brauche ich in der Tat einen Bodybuilder, der mich anfeuert und bei Laune hält. Einen, der schon alles tragen kann und weiß, wie's geht.

Mannomann. Ey, Kolosser, warum habt ihr mir das nicht schon viel früher gesagt?! Antwort: Lies weiter. Kapitel eins ist noch nicht zu Ende.

Fortsetzung folgt...

09 Dezember, 2016

Nervig

Grad nervt mich alles. Nie war es es nötiger, ein paar Tage wirklich frei zu haben, und nie war die Liste aller Dinge länger, die dieses Jahr noch erledigt werden müssen. Am meisten von allem nervt mich derzeit ALT, wo ich diesen Herbst gebeten worden bin, einzuspringen. Was ich als gutmütiges Schaf auch gemacht und viel Zeit investiert habe, die sonst für anderes wichtig gewesen wäre. Der Dank ist ein Haufen unzufriedener Studenten, denen es trotz mehrfacher Erklärung der Umstände immer noch nicht schnell genug geht. Frage: Sollte man sich extra einsetzen, auch wenn einem kaum Verständnis gezeigt wird? Wenn ich könnte, würde ich dort kündigen und mich voll und ganz meiner eigentlichen Berufung widmen, doch wir können es uns nicht leisten. Nun denn. Möge diese nervige Periode ein Schleifstein in der Hand des Herrn sein. 

Gebetsclip

22 November, 2016

Theologie des Geschichtenerzählens

Geschichten sind wichtiger, als der moderne Pastor glauben möchte. Eine extrem kurze Zusammenfassung.


17 November, 2016

Viele gute Sachen

"Die Frucht und der Maßstab guter Theologie ist immer Mission": Scenen aus dem Thinklingsfilm, der gerade gemacht wird.

Vor zwei Wochen war ich in Frankfurt, um unsere Mitarbeiter dort zu besuchen und die Arbeit unter Flüchtlingen zu besprechen.

Letzte Woche war ich in Örebro, wo ein Missionskurs abgeschlossen und der nächste begonne wurde. Leider muss ich diesen Herbst zwei Kurse unterrichten - was einerseits die doppelte Möglichkeit ist, Leiter und Missionare der Zukunft zu formen, andererseits aber auch doppelt so viel Zeit in Anspruch nimmt.

Vergangenens Wochenende war wieder "Thinklings". Diesmal stellten wir uns die Frage, warum eine Theologie der Erzählkunst für Mission entscheidend ist. Vielleicht habt Ihr ja schon mitbekommen, dass seit einigen Jahren die Erzählkunst wiederentdeckt wird. Eigentlich eine Jahrtausende alte, urmenschliche Tradition, doch in unserem moderen Wissenschaftswahn haben wir viel verlernt - leider auch in Gemeinden.

Und schließlich werde ich am kommenden Wochenende wieder in Stockholm sein. Einerseits zum zweiten von fünf Forgewochenenden. Gaaanz ganz langsam wächst das Interesse von Christen an wirklich missionaler Mission. Ich bin immer wieder überrascht, wie weit wir mit H2O unserer Zeit voraus waren. Andererseits wird sich die "Mittsommerkranzgruppe" zum zweiten Mal treffen und weiter daran planen, wie man ein öffentliches, spirituelles Diskussionsforum schaffen kann. Ich hatte in den Gebetsclips davon berichtet.

Wenn ich am Sonntag wieder heimkomme, geht es direkt zu H2O's jährlicher, großer Thanksgivingfeier, an deren Vorbereitung ist erstmals gar nicht beteiligt war.

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne und auch gerne viel arbeite - besonders, wenn ich von der Arbeit überzeugt bin. Ich bin von allen diesen Dingen voll überzeugt, doch in diesem Herbst wird es leider ein bisschen zu viel - und das, obwohl ich die Gabe des Nein-Sagens besitze.

Ich würde mich über Dein kurzes Gebet freuen, nachdem Du diesen Artikel gelesen hast. Ich danke herzlich!


11 November, 2016

Irgendwas ist schief gewickelt


Der Lobpreis schien deutlich lauter, intensiver und schöner an jenem Mittwochmorgen. Ich war in Örebro, zusammen mit allen ALT-Studenten aus dem ganzen Land, unter anderem, um einen Missionskurs abzuschließen und einen neuen zu beginnen. Nicht lang zuvor war die Nachricht durchgesickert, für wen man sich auf der anderen Seiten des Atlantiks entschieden hatte.

 Seit 5 Uhr morgens hatte ich verschiedene Nachrichtenagenturen via Twitter verfolgt. Irgendwann war es abzusehen, und für mich war dies ein weiteres Desaster in einer ganzen Serie: Flüchtlingskrise, Schwedendemokraten, Erdogan, AfD, Brexit - you name it. Jetzt fehlt noch Le Pen in Frankreich und die europäische Zukunft ist so unsicher wie nie zuvor während meiner gesamten Lebenszeit. Auch die Tatsache, dass es evangelikale Christen waren, die den großen Blonden ins Weiße Haus bringen, macht meine Arbeit mit einer amerikanischen, christlichen Organisation in Westeuropa nicht unbedingt simpler.

Manche sagen, ich sähe etwas zu schwarz. Außerdem müsse man doch wissen, dass schließlich Jesus immer noch Herr sei. Richtig, niemand weiß wirklich, wie oder ob es überhaupt schlechter wird. Ich halte nichts von Horrorszenarien und primitiver Endzeitpanik. Es sind auch weniger einzelne Personen, die mich beunruhigen. Ob sie nun blond oder großmäulig sind, sie wird es immer geben. Es sind die großen Trends, die mich alarmieren. Und einer dieser Trends sind große Massen, die in dummbärtigem Egoismus Kreuze auf gewisse Stellen malen, was mit Einsatz von etwas mehr Hirnmasse nicht passiert wäre. Solche Trends versprechen mir nicht viel Gutes, doch ich lasse mich herzlich gerne korrigieren und nehme alle Beweise, dass ICH hier schief gewickelt bin, mit Kusshand an! Und ja, Jesus ist Herr! Nach über 10 Jahren, in denen mich der Herr übernatürlich auf dem Wasser wandeln lässt, ist mir wenig so bewusst geworden wie seine übernatürliche Herrschaft. Natürlich war Jesus am 9. November 2016 genau so Herr wie am 9. November 1938. Und er spricht zu uns. Zum Beispiel durch Johannes 16,33 - besser nicht in Luther nachlesen.

Schwarz ist übrigens nicht nur negativ, wie das Buch Prediger beweist. Auf Schwärze ist der Kontrast des Lichts am stärksten. Ich bin froh darüber, dass ich diese Woche viel mehr Tränen geweint habe habe als sonst. Auch Jesus weinte. Es ist normal in einer gefallenen Welt. Man lebt intensiver und es treibt ins Gebet zu Gott. Wer nicht traurig sein kann, lebt oberflächlich.

Wir lassen das Leben unter seiner Herrschaft weiter auf uns zukommen. Für mich hieß es, Donnerstagabend aus Örebro heimzukommen und heute in aller Frühe zu den Thinklings in Brüssel aufzubrechen. Eine Theologiefreizeit zum Thema "Theologie des Geschichtenerzählens" und ihre Bedeutung in der Mission.

Beim Blick aus dem Fenster während der Reise kamen mir allerdings so einige Gedanken. Wie zum Beispiel dieser hier:


06 November, 2016

Frankfurt

Mainhattan - mit seinen glänzenden...
Frankfurt - mit seinen glänzenden...

Bankenmetropole, Reisedrehkreuz. Seit eineinhalb Jahren hat Communitas eine Familie in Frankfurt, die sich vor allem für Integration und Gemeindearbeit mit Ausländern, insbesondere Flüchtlinge einsetzt. Diese Woche war es an der Zeit, sie zu besuchen, ihr Wohlergehen sicherzustellen und ihren Dienst zu besprechen. Unsere Mitarbeiter zogen genau vor dem Höhepunkt der großen Einreisewellen nach Frankfurt. Die Flüchtligskrise hatte ihre ursprünglichen Pläne deutlich beeinflusst. Auch, wenn heute deutlich weniger Flüchtlinge kommen, so sind noch längst nicht alle Herausforderungen bewältigt.

Missiologisch gesehen befinden wir uns gerade in einem begrenzen Zeitfenster, wo uns viele, viele, ungeahnte Möglichkeiten offenstehen. Diese müssen wir ausloten und dann tun, was wir tun können. Der Zeitpunkt, wo es zu spät sein wird, wird eines Tages auch ungefragt über die Grenzen kommen und niemanden um Einreisegenehmigung bitten. Wenn er da ist, wird er sich nie mehr abschieben lassen. Eines möchte ich persönlich gerne vermeiden: Dass sich die Gemeinden meiner Zeit am Ende auch fragen lassen müssen, warum sie so manche Generation vor ihnen die großen Möglichkeiten ihrer Tage auch nicht erkannten haben und sich stattdessen mit Nebensächlichkeiten beschäftigten. Es wäre eine Schande. Deswegen will ich zumindest tun, was ich tun kann und der Herr vor meine Füße legt.

... und nicht so glänzenden Seiten. Beide liegen sehr nahe beieinanander.

24 Oktober, 2016

Stockholm und Coaching












18 Oktober, 2016

Einfache Grundsätze für das missionale Leben


"Hey, du bist doch Christ! Was würdest du zu diesem Thema predigen?!" Plötzlich und unerwartet wird man mitten im Leben auf seinen Glauben angesprochen. Und ganz wie im Film verstummt urplötzlich die Musik, alle Köpfe wenden sich einem zu, Licht aus, Spot an, totale Stille, alles wartet auf deine galante Präsentation. Oder Blamage. Denn erstens bist du weder vorbereitet und zweitens ist genau das die Situation, die du eigentlich immer vermeiden wolltest.

So fühlt's sich manchmal an, nicht wahr? Ich jedenfalls weiß genau, wie sich die kalten Schweißausbrüche anfühlen, die sich dann gerne aus allen Poren ergießen. Wie teilt man seinen Glauben mit Leuten, die vermutlich nicht die geringste Vorstellung davon, was Jesus einem bedeuten kann? Die schlechte Nachricht ist, dass man nie wissen kann, welchen Verlauf ein Gespräch nimmt, wie Gesprächspartner reagieren und welche Gefühle man in ihnen auslöst. Die gute Nachricht ist, man kann sich trotzdem vorbereiten. Indem man bewusst ein missionales Leben führt. Jeder kann es, und wer es nicht kann, der kann es lernen. Dazu habe ich ein paar einfache Grundsätze zusammengestellt.

1. Bau Vertrauen auf

Missional ist Beziehung. Vertrauen ist das Allerheiligste im missionalen Dienst - sowohl zu Gott als auch zu Mitmenschen. Man kann nicht Freund mit der ganzen Welt sein, doch zu ein paar wenigen geht. Wähle zwei oder drei aus, mit denen du sowieso in Kontakt stehst, von denen du aber annimmst, dass sie deinen Glauben nicht teilen. Das können Kollegen, Nachbarn oder Verwandte sein. Dein erklärtes Ziel ist NICHT, Glaubensgespräche zu führen, sondern Vertrauen aufzubauen. Sei proaktiv, aber übertreib's nicht. Zehntausend kleine Schrittchen führen viel weiter als zehn Sprünge mit Anlauf. Nicht vergessen: Diese Leute werden deine Lehrer sein, nicht umgekehrt. Willst du den Umgang mit Muslimen lernen, sollte mindestens einer überzeugter Moslem sein.

2. Bleib entspannt

Du bist nicht der einzige Mensch auf der Welt, der mit Minderwertigkeitskomplexen kämpft und sich unterlegen fühlt. Wenn Du davon ausgehst, dass deine Gegenüber mit mehr oder weniger ähnlich destruktiven Gefühlen zu kämpfen haben, liegst du wahrscheinlich in neun von zehn Fällen richtig. So einiges, was du als prokokativen Angriff erlebt hast, kann in Wahrheit ein unbeholfener Hilfeschrei gewesen sein. Wenn du dir nicht sicher bist, sei im Zweifel für den Angeklagten. Wenn du davon ausgehst, dass ihr beide im selben Gefühlsboot schaukelt, fällt es viel leichter, locker und leger zu bleiben. Das entspannt den Geist. Und eine entkrampfte Seele kommuniziert natürlicher. 

3. Habt Freude am Leben

Beziehung baut sich vor allem durch gemeinsame Erinnerungen auf. Je mehr man gemeinsan macht, desto stärker wird sie. Es gibt Dinge, die addieren zur Beziehung, wie zum Beispiel 40 Stunden wöchentlich am gleichen Arbeitsplatz. Und es gibt Dinge, die multiplizieren. Zum Beispiel der Spaßfaktor einer gemeinsamen Unternehmung. Doch es gibt auch Dinge, die exponenzieren. Das können unbedeutende Kleinigkeiten sein, solange sie ein Beweis für echte Liebe und ungeheucheltes Interesse sind. Ein gekritzeltes Symbol, das nur ihr versteht. Eine Karte. Die Begleitung zum Gerichtssaal. Ein Babysitterdienst. Alles, was Liebe und eine positive, hoffnungsvolle Einstellung zum Leben zeigt, ist gewollt und hat Priorität.

4. Sei offen

Das ist Teil zwei von "Bau Vertrauen auf". Teile mit, was dich bewegt, wo der Schuh drückt. Du musst der erste sein, der Vertrauen beweist und sich öffnet. Du kannst nicht erwarten, dass andere von sich erzählen, während dein Herz ein Tresor mit Blumenkästen dran ist. Doch gerade beim Thema Offenheit gilt: Weniger ist mehr. Hundert kleine Geheimnisse, über mehrere Jahre zur rechten Zeit angemessen offenbart, bringen dich um Lichtjahre weiter als ein vollständiger Seelenstriptease. Der irritiert nur jeden und überfordert beide Seiten.

5. Füll deinen Alltag mit Christus

Klingt logisch, ist es aber nicht. Säkularisierung ist eine schiefe Ebene, sagt Magnus Malm: Man droht ständig abzurutschen. Um eben nicht abzugleiten müssen wir uns permanent aktiv ganz nahe an Christus halten. Christus kennen heißt Christus nachfolgen, und Nachfolge ist voller Überasschungen. Man weiß nie, was der Herr heute wieder im Schilde führt und um welche Ecken wir heute mit ihm herumschleichen. So ging es schon den Jüngern in den Evangelien, in der Apostelgeschichte, so geht es uns heute. Geht es dir nicht so, solltest du dich fragen, ob Christus vielleicht dich meinte, als er Matthäus 7,22 sprach. Wenn du aber weißt, deinen Alltag mit Christus zu füllen, dann bist du schon ein Zeugnis, ohne ein einziges Wort gesagt und ohne es selbst bemerkt zu haben. Dann strahlt Christus in und aus dir. Der Rest geht fast schon automatisch. 

6. Finde regelmäßige Routinen

Finde tägliche, wöchentliche, monatliche und jährliche Ordnungen, die dein Glaubensleben unterstützen. Stundengebet, Danksagung vor den Mahlzeiten, Bibelstunde, Fastentage, Konferenzen oder Freizeiten - alles, was deiner Seele dient, ist gut. Nicht nur für dich, sondern auch für jene, die dich kennen und beobachten. Du wirst heute kaum jemand finden, der sich über solche Routinen lustig macht. Im Gegenteil, du darfst stolz auf sie sein und sie werden wunderbare Gesprächseinstiege ermöglichen. Denn alle Menschen sehnen sich nach Halt, Sicherheit, Leben und gesunder Spiritualität.

7. Sei dankbar

Schon mal in Afrika gewesen? Was Europäer dort am meisten beeindruckt: Die haben nix und sind doch glücklich. Wir hingegen haben alles und motzen trotzdem. Lerne dankbar zu sein. Sei dankbar für jeden Furz, den du lassen darfst. Stell dir einen Tag lang vor, dass du morgen nur das besitzen wirst, wofür du heute danke gesagt hast. Dankbare Menschen sind positive Menschen. Positive Menschen sind attraktive und anziehende Wesen - vor allem, wenn es genuin ist. Sei dankbar für deine zwei oder drei Kontakte - und zwar im Innersten deines Herzens. Dann wird die Dankbarkeit herausleuchten und du brauchst gar nichts zu schauspielern.


Wer es schafft, so zu leben, ist bestens gerüstet zum Alltagsmissionar. Immer und immer wieder wird man sich in Glaubensgesprächen wiederfinden. Plötzlich sind die gar nicht mehr peinlich, sondern gefüllt von gegenseitigem Interesse. Und damit man auf das missionale Gespräch auch gut vorbereitet ist, werde ich dazu bald auch ein paar einfache Grundsätze niederschreiben.

Bis dahin: Viel Erfolg!

17 Oktober, 2016

Die Theologie des guten Erzählens

Geschichten erzählen mag ein wenig nach Märchenstunde klingen, wo Großeltern ihren mit großen Augen und offenen Mündern zuhörenden Enkeln vor dem Schlafengehen spannende Erzählungen vortragen. Und ja, das ist durchaus ein Teil der Geschichte.

Guten Predigern oder Rednern wird nachgesagt, dass sie gute Geschichtenerzähler seien. Werdenden Pastoren wird beigebracht, wie man seine Unterweisungen mit bunten Erzählungen ausmalt und unterstreicht. Nicht selten höre ich von dann Predigern die Klage, dass die Zuhörer sich später aber "nur" an die Geschichten erinnerten und nicht an "das Eigentliche".

Der Grund liegt wohl darin, dass uns lange genug eingeredet wurde, Daten und Fakten seien "das Eigentliche". Es war der eher atheistische Geist der Aufklärung, der uns seit Jahrhunderten im Westen eingebläut hat, das Hirn müsse nur mit messbaren Tatsachen gefüttert werden, um wirklich "vernünftige" Entscheidungen treffen zu können. Als ob die graue Masse zwischen unseren Schultern eine pure Datenbank sei.

Jesus wusste es besser. Seine Geschichten waren keine Ausschmückung, sondern Botschaft. Warum? Weil die Menschheit seit ihren ersten Tagen vor allem durch Geschichten gelernt hat. Was man heute als kindliche Märchenstunde belächeln mag, war für den größten Teil der Menschheit Lebensschule. Moderne Hirnforschung bestätigt zudem, dass unser Kopf keine Datenbank, sondern eine Mediathek ist. Alle wichtigen Lebensentscheidungen werden nicht aufgrund nackter Tatsachen getroffen, sondern aufgrund erlebter und ausgedachter Geschichten, die in unserer Phantasie sukzessiv verändert und angepasst werden, bis die Entscheidung steht.

Zahlen und Fakten mögen ganz sicher ihren unumstritteten Platz in der Wissenschaft haben. Wenn es um Lebensberatung geht, sind Geschichten Trumpf. Unschlagbar. So manche wichtige Entscheidung wurde nach Lektüre eines guten Buches oder Anschauen eines guten Films getroffen. Nicht zuletzt ist die Bibel ein Geschichts- und Geschichtenbuch.

Wir haben alle auf diesem Gebiet extrem viel vergessen und nachzuholen. Wäre die Gemeinde ein exzellenter Geschichtenerzähler, würde sie wohl kaum in der Welt als langweilig und fragwürdig wahrgenommen. Das meinen zumindest wir hier bei Communitas. Und weil wir bei allen grundsätzlichen Trends, die wir in westlichen Gesellschaften sehen, großen Wert legen auf ein solides und biblisches Fundament, planen wir ein weiteres Thinklings. Über die biblische Theologie des Geschichtenerzählens und ihre Bedeutung in der heutigen Mission.

Und wenn drei unserer wichtigsten Schlagworte "missional", "kreativ" und "theologisch" sind - was liegt dann als Einladung zu den Thinklings näher als eine dramatische Filmvorschau?


16 Oktober, 2016

Beten im Oktober

14 Oktober, 2016

Teamtreffen im Piemont


Erstmal danke an alle, die nach dem letzten Gebetsclip für uns gebetet haben! Wir hatten ein außergewöhnlich gutes Treffen, diesmal nicht nur mit einigen Ehepartnern, sonder auch Dudley, Communitas' "Präsident", wie man im Amerkanischen so schön sagt, Kevin, dem "Global Advancement Teamleiter", Daphne von Staff Care & Development sowie einigen Ehepartnern - wie zum Beispiel meine liebe Frau.


Wir trafen uns im ehemaligen Rückszugsort der Waldenser im Pellicetal im Piemont auf 800m Höhe nahe der französischen Grenze. Die Waldenser sind ein faszinierendes Völkchen, dafür dass sie schon im 12. Jahrhundert gegründet wurden, viel Wert auf persönliches Bibelstudium und verständliches Predigen legten sowie Kirchenmacht strikt ablehnten, waren sie ihrer Zeit weit, weit voraus und in ihrem Denken durchaus reformatorischer als Luther. Doch dafür wurden sie verfolgt und exkommuniziert. Ich persönlich habe diesen Ort mit seiner Geschichte als sehr geeignet und inspirierend für unser Treffen gefunden.

In diesem Treffen ging es vor allem darum, den von unserem Europateam angestoßenen Prozess der Dezentralisierung unserer eher amerikazentral gewachsenen Strukturen abzugleichen, um Mission und Gemeindegründung mit mehr Einheimischen zu ermöglichen. Wir suchen die kreativen, theologischen und missionalen Staatsbürger Europas, um diesen Kontinent wieder neu für Jesus zu gewinnen. Dazu wollen wir Strukturen schaffen, in denen einheimische Leiter sich willkommen, geschätzt und gefördert fühlen.

Ich bin sehr dankbar, dass wir einen gemeinsamen Kurs entwickeln und besprechen konnten. Was sich vorher wie Spannungen anfühlte, löste sich komplett in Luft auf. Ich führe das auf die Anwesenheit und Mitarbeit des Heiligen Geistes in unseren Treffen zurück. Wir sind außerdem alle sieben Wunder im Johannesevangelium durchgegangen, um uns auf Jesus, Seine Möglichkeiten und Seine Art zu konzentrieren. Und wer Jesus folgt, wird immer wieder neu positiv überrascht.

Und Communitas wäre nicht Communitas, wenn es keine Zeit zum Feiern gäbe, mit Geschichten, Feuer, Rauch und Wein.

Bevor Karen und ich wieder heimgereist sind, konnten wir mit unserem Mietwagen noch einmal bis zum Ende der Straße durchs Pellicetal auf rund 1300m Höhe fahren und Aussichten genießen, wie wir sie aus den ersten Jahren unserer Ehe von der anderen Seite der Alpen noch kennen...



 
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