Willkommen auf New Reformation

Wer die Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern

Das Evangelium ist keine Privatsache

sondern eine höchst brisante Botschaft an alle Instanzen aller Länder

Löwe und Lamm

Gott erklärt man nicht mal eben auf dem Bierdeckel

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Neueste Artikel

26 September, 2016

Forge kommt nach Deutschland!


FORGE kommt nach Deutschland!

FORGE… spannt ein Netzwerk zwischen einzelnen Akteuren, die ein missionales Lebenskonzept umsetzen. Miteinander möchten wir herausfinden, wie sich deine Vision am besten umsetzen lässt.
Die Forge-Reihe startet am 25. Oktober mit der Online-Interaktion und am 18.-19. November 2016 mit einem Pilot-Wochenende: In einer familiären Atmosphäre entdecken wir, was man unter „Lebe Wohl – Evangelisation heute“ verstehen kann. Aber nicht nur der Austausch steht im Vordergrund: damit deine Ideen nachhaltig umgesetzt werden, gibt es zum Beispiel PeerCoaching und Reflection Papers.

Mit deinem Feedback werden an diesem Wochenende die Weichen für die Zukunft von FORGE gestellt.

Sei dabei: https://www.xing-events.com/forge-pilot.html

FORGE-pilot wochenende- lebe wohl -
November 2016

25 September, 2016

Beten im September

23 September, 2016

Randale, Barrikaden und brennende Autos


Nicht weit von uns entfernt gab's gewalttätige Auseinandersetzungen. Diese Woche hatte die Polizei mehmals gegen Hehler und kriminelle Gruppen zugeschlagen, und bei einem weiteren Einsatz schlugen die Gangs zurück. Man wollte klarstellen: "Hier regieren wir, nicht ihr, und wir lassen uns nicht von euch reinreden." Einige völlig unbescholtene Bürger verloren dabei ihre Autos, weil sie gerade zur faschen Zeit am falschen Platz waren und kurzerhand in Brand gesetzt wurden.

"Was können wir tun?" "Wo sind die guten Kräfte in der Gesellschaft?" Solche Fragen werden heute ganz offen in den lokalen Zeitungen gestellt. Von Betroffenen bis zu Politikern.

Man sollte meinen, dass Gemeinde die ultimative gute Kraft in jeder Gesellschaft sein sollte, wo es Gemeinde gibt. Doch es ist nicht leicht für Christen, sich das einzugestehen und dann auch auszuleben. Es ist einfacher, alle guten Kräfte nur intern zu verwenden. Wer will schon mit Leuten abhängen, die, wenn's drauf ankommt, Straßenbarrikaden bauen und Polizisten angreifen?

Wahrscheinlich sind aber genau die unsere heutigen "Zöllner und Sünder". Mit denen man keinesfalls verwechselt werden und an einem Tisch sitzen möchte. Es ist also immer wieder sehr gesund, sich selbst zu fragen: Wie sehr ähnele ich Jesus in dieser Welt wirklich?



11 September, 2016

Korrigiere: Lassen wir Gott schmieden.

09 September, 2016

Lasset uns schmieden

Auf zu Forge (=Schmiede) Schweden in Stockholm!


Schule hat begonnen...

Diese Woche stand mal wieder vor allem im Zeichen eines neuen ALT-Semesters. 150 Studenten und Kollegen aus ganz Schweden trafen sich zum großen gemeinsamen Neustart. Eine meiner Hauptaufgaben diese Woche war neben den üblichen Gesprächen und Planungen sowie dem Beginn des neuen Missionskurses und der "Lebensseminare" eine Kurzdoku unter 50 Sekunden. Hier ist das Resultat:


Übersetzung:
Jetzt hat das neue Semester begonnen. Ich heiße Ulrik Josefsson und habe das Vorrecht, diese Ausbildung leiten zu dürfen. Wir haben uns zum Auftakt hier in Nyhem getroffen, ungefähr 130 Studenten und 20 vom Personal, außerdem sind jede Menge Gemeinden mit einbezogen. Unglaublich spannend, Teil dieser Reise zu sein...
Titel:
Das Studienjahr hat begonnen



05 September, 2016

Feuchte Gnade


September. Die erste frische Nacht. Auf der morgendlichen Hunderunde entdecke ich Tau, der fröhlich in der Sonne schimmert. Der Herbst muss wohl im Anmarsch sein. Doch wie der Regenbogen ist auch Morgentau eine Erinnerung für uns: Er erinnert an den Himmel. Er kommt über Nacht und ist einfach da. Wir müssen nichts dafür tun.

Aber wie oft denken wir, wir könnten den Tau des Himmels durch gutes Verhalten, frommes Erscheinen, Gottesdienstgänge, lange Gebete, sozialen Einsatz, den Zehnten geben, keine falschen Webseiten aufrufen und so weiter produzieren? Wie oft denken wir, wenn ich dieses tue und jenes lasse, dann wird mir Gott gefällig sein? Und umgekehrt: Wenn ich dieses lasse und jenes tue, dann wird er böse, droht mit dem Zeigefinger oder schickt mich in die trockene Wüste.

Derweil liegt der Tau auf jedem einzelnen Blatt und Grashalm. Als wollte er sagen: "Was für ein perverses Gottesbild habt ihr da gezüchtet." Und für alle, die ganz besonders schwer von Begriff sind, lässt der Tau hier und da einen kleinen Miniregenbogen aufblitzen.

So wie das Wasser unsichtbar in der Luft gelöst war, bevor es zu Tau kondensierte, sind wir von Gott umgeben. Es geht nicht darum, es ihm recht zu machen, damit er uns wohlgesonnen ist. Es ist sowieso unmöglich, es Gott rechtzumachen.

Evangelium bedeutet, dass er uns schon wohlgesonnen ist, ohne dass wir eine einzige Regel gehalten haben. Das einzige, was Gott wirklich richtig glücklich macht, ist genau DAS zu glauben: Gott ist uns wohlgesonnen, egal wie eklig und verfilzt so manche Teile unseres Lebens sein mögen. Glauben ist ein anderes Wort für Vertrauen. Wir vertrauen, dass er da ist wie die Luftfeuchtigkeit. Wir lieben ihn mit unserem Vertrauen, nicht mit unseren Taten.

Und wenn wir es mal vergessen sollten, mag uns ein früher Morgenspaziergang wieder daran erinnern.

29 August, 2016

Rekordviele Bewerbungen an Bibelschulen




Das Personal der "Akademi för ledarskap och teologi" freut sich auf ein neues "läsår", ein "Lesejahr" - zu deutsch: zwei neue Semester.
 Zum sechsten Mal beginnt heute auf der immer noch relativ neuen Akadami för ledarskap och teologi, kurz ALT (sprich A-L-T) eine vierjährige Berufsausbildung zum Gemeindedienst - sei es als Pastor, Jugendpastor, Diakon, Missionar oder Gemeindegründer. Mit über 50 neuen Studenten ist ALT die größte und eine der wichtigsten biblisch zentrierten Ausbildungsstätten Schwedens. Doch nie haben sich so viele neue Studenten beworben wie 2016.

Und damit ist ALT keine Ausnahme: Sämtliche Bibelschulen Schwedens beginnen dieses Jahr mit entweder mehr oder gleichviel neuen Studenten. Meine Frau Karen fand es erstaunlich, dass einerseits die Gemeinde insgesamt gesehen immer weiter schrumpft und als gesellschaftlich irrelevant erscheint, andererseits immer mehr junge Leute in den vollzeitlichen Gemeindedienst gehen wollen. Ich sehe dies eher als eine logische Folge: Gerade weil die Gemeinde schrumpft, wollen sich junge Leute einsetzen. Und das ist phantastisch.

Was es aber braucht, ist Mission. Viele Gemeinden wirken altmodisch, weil ihr Bild von biblischer Nachfolge in ganz anderen Zeiten geprägt wurde. Und so gut und richtig diese Art Nachfolge auch sein mag, so unablässlich ist es heute, biblische Nachfolge in globalen Instagramm- und Snapchatzeiten neu zu definieren. Nur so können wir gesunde Gegengewichte der Gesellschaft sein. Es ist gut, an Bibelschulen anzusetzen. Es ist sehr gut, dass es so viele interessierte Novizen gibt. Denn dadurch werden viele Leiter der nächsten Generation - und damit die Zukunft geprägt.

20 August, 2016

Vom Sinn und Unsinn der Gnade

"Ihr müsst nachsichtig mit mir sein, denn an diese Regelung werde ich mich nicht halten." Das waren so ziemlich die ersten Worte, die Denis zu mir sagte. Und weil ich ihn wohl perplex ein Moment zu lange sprachlos ansah, legte er gleich nach: "Aber ihr habt ja "Gnade"als wichtigen Grundwert in Eurer Organisation. Davon habe ich schon viel gehört. Ihr seid echt cool drauf. Das wird also kein Problem für Euch sein."

"Die meisten Menschen haben Probleme, sich an Regeln zu gewöhnen, die man noch nicht kennt." erwiderte ich. Ich wusste nämlich nicht recht, wie ich Denis' Aussage zu deuten hatte. War es ein Zeichen von Arroganz? Egoismus? Falschen Erwartungen? Oder war es einfach nur primitiv? Ich fragte mich außerdem, warum Denis mir nicht erzählte, aus welchem Grund diese Regel ein Problem für ihn sein würde. Er setze einfach voraus, dass solche Dinge nicht für ihn gelten.

Um dies herauszufinden, würde ich betonen müssen, dass jene Regel nicht einfach so aufgehoben würde. Also frage ich, warum er es nicht einfach mal probiere, bevor man Ausnahmen aushandele. Und mit probieren meinte ich dieser Regel eine faire Chance geben. Nicht nur flüchtig so zu tun, als hätte man es versucht.

Denis' Reaktion war heftig. Arme wedeln, laute, zitternde Stimme. Paragraphenreiter seien wir. Wir sollten gefälligst gnädig sein. Er erwarte, dass wir ihm gnädig seien. Sonst würde er wieder gehen. Und dann müssten wir ja in Zukunft ohne ihn auskommen. Damit war das Gespräch beendet.

In der folgenden Zeit hörte ich von mehreren Kollegen, dass Denis sich bei ihnen beschwert hatte. Man habe ihm keine Gnade erwiesen, war wohl immer wieder sein Hauptpunkt. Doch mit wem er auch sprach, alle fanden, dass diese Regel durchaus sinnvoll sei. Schließlich gab Denis auf und spielte für längere Zeit die beleidigte Leberwurst. Plötzlich waren wir alle wohl doch nicht mehr so cool drauf.

Denis symbolisiert einen typischen Christen des 21. Jahrhunderts: Das "Alles ist erlaubt!" der Postmoderne wird mit einem der wichtigsten Wörter der Bibel gerechtfertigt: Gnade. Wenn du nicht willst, wie ich wohl will, geb ich dir eins auf's Dach! Du musst mir schließlich gnädig sein. Es ist die Pflicht, denn du bist Christ.

So nachdenkenswert vieles auch sein mag, Denis und seine postmodernen Seelenverwandten scheinen blind für das zu sein, was Gnade Gnade sein lässt: Man kann sie nicht verdienen, nicht erzwingen, noch nicht einmal erwarten.

Doch in unseren Zeiten glauben wir, man habe ein "Recht auf Gnade". Wem keine Gnade gewährt wird, fühlt sich ungerecht behandelt. "Anspruchshaltung" wird eins der größten Probleme westlicher Gesellschaften werden. Gemeinden inklusive. Gnade ist Allgemeingut geworden. Sie wird einem wie Ramsch nachgeworfen. Alles erlaubt, alles geht.

In frommen Kreisen liegt der Kern der Sache wohl im Gottesbild. Nur wenige sehen in Gott ein extrem gutes, extrem großes und extrem gefährliches Wesen. Sich mit Gott anzulegen gleicht dem Wahn, Naturgesetze ändern zu können. Sich Gnade erzwingen zu wollen, ist ebensolcher Wahnwitz. Gnade wird nur dem gegeben wird, der sich selbst in das "Joch der Nachfolge" zwingt. Doch Jesus betonte, dieses Joch sei sanft (Mt 11,30) - im Vergleich zu anderen Zwängen der Welt.

Wenn Gott etwas sagt, dann ist es so. Wenn er etwas bestimmt, dann ist es entschieden (4Mos 23,19)."Geht es um Macht und Gewalt: Er hat sie. Geht es um Recht: Wer will ihn vorladen? (Hiob 9,19)". Gott ist Liebe, Gott ist gut, aber Gott nahe kommen, heißt trotzdem sterben. Wir ertragen seine Kraft nicht. Wir können uns auch keiner Sonne nähern, noch nicht mal in den Mariannegraben tauchen. Jeder weiß es, jeder hält's für logisch. Nur bei Gott erwarten wir, dass es trotzdem möglich sein muss. Und weil Gott Liebe und gut ist, macht er es sogar möglich. Gnade wird dem gewährt, der sich in Jesus versteckt. Und NUR dem.

Es ist kein Recht und kein Verdienst. Es ist Gottes Entscheidung. Er stellt die Bedingungen, nicht wir. Gnade ist nur Gnade, wenn es ohne sie weder Vorbei noch Pardon gibt. Gnade ist kostenlos, doch sie hatte ihren Preis. Wem Gnade nichts wert ist, weiß nicht, was sie wert ist. Marktschreier für die Schleuderware Gnade haben in Gemeinden nichts zu suchen. Deswegen begleite ich solche, die mir drohen, wieder zu gehen wenn ich ihnen nicht "gnädig" sein will, gerne unmittelbar bis zur Tür und verabschiede mich direkt. An der Tür angekommen warte ich lieber darauf, jemanden begrüßen zu können, der weiß, was ein Schatz im Acker ist.

(Eigene Collage nach dem Buchcover "Nachfolge". Das Zitat ist der erste Satz des ersten Kapitels "Die teure Gnade".)





19 August, 2016

Angenommene Vermutungen

"Wat is en Dampfmaschin?" fragte Lehrer Bömmel

"Da stelle mer uns ma janz dumm..." Manchmal isset jar nich so verkehrt, sich janz dumm zu stelle und so zu tun, als wüsste man gar nichts. Denn wer nichts weiß, muss alles lernen. Wer glaubt zu wissen, passt nicht auf. Der Schlaue fragt, wie meinst du das? Der Dumme glaubt, er weiß es schon.

In jeder Beziehung gibt es Dialoge, die perfekt aneinander vorbeireden. Jeder glaubt zu wissen, was der andere meint, und damit verfehlt jeder sein Ziel. Im schlimmsten Fall erreicht man sogar genau das Gegenteil von der eigentlichen Absicht.

Nach zehn Jahren internationalem Dienst weiß ich sehr gut, wovon ich rede. Im interkulturellen Umgang vervielfacht sich das Potential zum gelungenen Missverständnis. In fast jedem einzelnen Fall war die Annahme, man wisse ja schon, was der andere meine, der fatale Auslöser zu lustigen und weniger lustigen Verstrickungen.

Ganz besonders jetzt spüre ich das, jetzt, wo ich seit zwei Jahren in den Leitungskreisen einer US-amerikanischen Organisation mitmische. Viele Europäer und Amis leben in der Annahme, dass wir uns recht ähnlich seien. Die Wahrheit ist: Wir sind es nicht. Wir denken, leben und leiten verschieden. Wir sehen nur ähnlich aus. Alles andere basiert auf Vermutungen.

Während meiner ersten acht Jahre in Schweden war ich derjenige, dessen Aufgabe es war, eine offene und multikuturelle Atmosphäre des gegenseitigen Lernens und Verstehens zu schaffen und zu moderieren. Daher auch der Name H2O (Hoffnung, gegenseitiger Respekt [Hänsyn], Fürsorge [Omsorg]). Das war schwierig, doch trotz aller Herausforderungen glaube ich, dass es uns zu einem guten Teil gelungen ist. Unser großer Vorteil war, dass wir janz dumm jekommen sind. Wir waren stets Mitlernende, nie Allwissende.

Seit zwei Jahren hat sich etwas Entscheidendes geändert. Einerseits leite ich weiterhin ein phantastisches Team, dass die Notwendigkeit des Lernens verinnerlicht hat - eine Grundvoraussetzung in dieser Zeit massiver Veränderungen. Alle meine amerikanischen Teammitglieder haben viele Jahre Europaerfahrung, manche sogar eine europäische Staatsbürgerschaft, beherrschen eine oder mehere europäische Sprachen fließend. Ein kreatives Dream-Team für die Mission! Andererseits bin ich nun auch Teil des restlichen Leitungssystems einer wachsenden Organisation - und dort fühle ich mich als einzige Europäer und einziger in Europa lebender eher wie Sand im Dampfmaschinengetriebe. Ich störe, es ruckelt, es knirscht - und ich selbst werde zermahlen. Unabsichltich zwar, doch das ist, was ein Getriebe mit Sand macht, nicht wahr? Vielleicht ist es ein schlechtes Bild, doch es drückt aus, wie es mir geht. Und viel hat damit zu tun, dass Amerikaner annehmen, ich müsste ihnen doch so ähnlich sein. Schließlich sind wir doch Christen.

Noch weiß ich nicht, was das zu bedeuten hat. Doch ich weiß, dass mich die vergangenen zwei Jahre mehr Kraft gekostet haben als die acht davor zusammen. Nicht etwa wegen der vielen Arbeit und dem Reisen, oh nein! Ich liebe Reisen und ich mag es, hart zu arbeiten. Es sind die unterschwelligen Annahmen, die auf die Dauer zermürbend sein können und unsicher machen. Im Umgang mit meiner eigenen Unsicherheit lasse ich mich bisweilen von Lehrer Bömmels humorvollen Art inspirieren: Sich einfach jans dumm stelle.

Da denken mer uns, mer sin inne jroße, schwatze, runde Raum. 
Unn dieser gjoße Raum hat zwei Lösher. 
Dursh dat eine Loch, da simmer rinjekommen. 
Unn zu dem anderen Loch, da komme mer später. 

So der Herr will.



14 August, 2016

Beten im August



Wer den Link nicht mitschreiben konnte, findet das erwähnte Video natürlich auch hier.

10 August, 2016

Orientierung


Im Hintergrund läuft gerade Filmmusik: Pirates of the Caribbean. Meine Tochter und ich haben uns im Sommer mal wieder sämtliche Folgen reingezogen und wir sind immer noch im Jack-Sparrow-Rausch. Rum und Romantik, Piraten und Politiker, Sturm und Flaute. Fast wie im echten Leben.

Fast. In echt hat nämlich niemand so einen Sparrow-Kompass, der nicht wie 08-15-Kompasse langweilig nach Norden zeigt, sondern wundersam in Richtung des allergrößten Wunsches deutet. Was soll's. So eine magische Nadel wär ja ganz nett, doch ich persönlich brauch sie nicht. Mein größter Wunsch ist mir auch ohne Zauberkompass offenbar.

Seit über 30 Jahren bin ich verliebt in den Auferstandenen und seine Auferstehung - nicht als literarische Idee, nicht als philosophisches Konzept und nicht als theologische Abhandlung, nein, als lebende Tatsache und konkrete Zukunftshoffnung. Ostern fasziniert mich. Dem Sieger über den Tod widmet sich meine ganze Aufmerksamkeit. Die angekündigten zwei Auferstehungen sämtlicher Verstorbenen fesseln mich so sehr wie sie mich inspirieren. Zu IHM will ich! Und zwar mit meinem eigenen, brandneuen Auferstehungskörper. Das ist mein größter Wunsch.

Mein zweitgrößter Wunsch ist es, auf jener kompasslosen Reise möglichst viel Reklame für mein Ziel zu machen. Die Latrinenparolen über einen faden Kitschkirchenjesus machen's nötig, die Welt mit dem wahren Auferstandenen zu überraschen: Dem Schrecken für Machthaber, dem Herrscher der Herrscher, dem Obersten General und Himmlischen Heerführer - und doch gleichzeitig dem Anwalt der Schwachen, dem unbestechlichen Vertreter der Unterdrückten, dem guten Hirten für dich und mich, die wir uns regelmäßig als dämliche Schafe erleben. Ich möchte Millionen Menschen des Postchristentums mit dem Mann erreichen, der einfach in kein Schema passt.

Hielte ich heute einen Sparrow-Kompass in der Hand, würde er wie wild im Kreise wirbeln. Nicht etwa, weil ich schon angekommen wäre. Auch nicht, weil sich mein Wunsch nach 30 Jahren geändert hätte, oh nein! Er kreist, weil mein wahrer Guide gerade stehen bleibt. Ich bin nämlich alles andere als führerlos, ich habe etwas viel besseres als einen Filmkompass: Die Heilige Geistin* persönlich ist bis auf weiteres meine angenehme Reiseleiterin. Mir scheint, sie hat gerade Signal erhalten, einen Moment zu warten. Jetzt, wo ein paar Nebelböen aufziehen. Der Stillstand macht mich unsicher.

Unsicherheit ist an sich gar nichts Neues für mich. Hab' ich mich doch meistens als befangenes Schaf erlebt, das sich dankbar und treu(-doof) der Leitung des guten Hirten bzw. seiner coolen Stellvertreterin anschloss. Hab dabei viel erlebt und gelernt, sehr viel sogar, bin reifer und sicherer geworden. Hätte zum Beispiel vorher nie gedacht, dass Schafe unter Wölfen überleben können. Es geht! Aber nur an Seite meines erfahrenen Guides. Ihr hättet sie mal erleben sollen! Keira Knightley ist eine Kröte dagegen.

Doch nun stehen wir da. Wir stehen jenseits der Rudel, die immer noch witternd die Zähne fletschen. Flaute? Ich kann mich kaum erinnern, dass wir je stehenblieben. Mein Blick, rotierend wie die Kompassnadel, bleibt schließlich an den geduldigen Augen meines Guides hängen, die wartend auf mir ruhen.

- Willst Du weitergehen?
- Logisch! Keine Frage!
- Wirklich?
 Hm. Die Frage scheint ernster als erwartet.
- Ja, ich will!
- Vertraust du mir?

Warum fragt Gott immer dreimal? Was erwartet mich denn? Was kommt? Ich blicke zurück und sehe den Weg, der hinter mir liegt. Ich blicke nach vorn und erspähe unter anderem eine größere Nebelbank. Wohl deswegen kommen solche Fragen. War alles bisherige etwa nur Einleitung, Vorbereitung? Waren die bisherigen Wölfe nur so etwas wie Steifftiere? Warten hinter Dunst und Schwaden nun die echten Ungeheuer? Werde ich jede Unze Vertrauen, das bisher gezüchtet wurde, dringend nötig haben?

Äußerst interessante Fragen, nicht wahr? Genau dort befinde ich mich jetzt. Fortsetzung folgt. In welche Richtung wir dann irgendwann losstapfen werden, weiß ich noch nicht.

Während ich nachdenke, wird aber meine dritte Antwort sonnenklar: Ja, ich vertraue dir und möchte auf dem Rest der Reise dein Agent, Vertreter und Verkünder sein. Und sollte auch nur ein halbes Prozent Europas mein Proklamieren mitbekommen, dann wäre immer noch unter Millionen gesät. Ja, ich will! Es wird allerhöchste Zeit, dass der Auferstandene auch im nachchristlichen Europa als der bekannt wird, der er wirklich ist: Als faszinierender Herr! Kein birkenbestockter Schluffi.

Schließlich werden über ihn interessante Dinge gesagt, die man nur selten hört. Zum Beispiel, dass er ein "harter Mann" sei. Er ernte, wo er nie gesät habe. Er sammle, wo er nie ausgestreut habe (alles in Matt 25,24). Jesus lässt die Arbeit von schlauen Verwaltern erledigen.

Und überhaupt, wenn Jesus auftaucht, dann holt er sich nur sein Eigentum zurück, das ihm zuvor geraubt wurde. Alles in allem kann man also irgendwie schon sagen:

He's a pirate. Aber a very good one. Er ist es wert, viel bekannter zu werden als Jack Sparrow. Denn er ist unvergleichbar besser. Und: Er ist echt.

Bleibt abzuwarten, welchen Kurs Captain Christus nach dieser Orientierungspause dann einschlagen wird. Ich werde weiter folgen. 


__________________________

*
Ruach, hebräisch für Geist, meist in Verbindung mit Worten wie Ruach Elohim, (Geist Gottes), Ruach Adonai (Geist des Herrn) oder sogar Ruach Hakkodesh (Heiliger Geist) ist im Hebräischen ein weibliches Nomen. Anders als im Deutschen, wo Artikel zufällig und unlogisch zugeordnet sind, macht der Artikel im Hebräischen eine Aussage über das Wesen des Objekts. Der Geist Gottes wurde deshalb in jüdischer Tradition eindeutig als weiblich angesehen. Christen betrachteten den Geist Gottes als weiblichen Teil der Dreieinigkeit, was insbesondere im Hinblick auf 1Mos 1,27 eine Menge Sinn ergibt.

09 August, 2016

Forge Europa


Forge hat den ersten Gemeindegründerkurs in Europa durchgeführt - zusammen mit Communitas. Communitas und Forge sind sich im Denken sehr ähnlich - Forge bildet aus, Communitas ist der richtige Partner für die anschließende Praxis.

Mein Kollege Alan McWilliam, Europadirektor bei Forge, hat einen informativen Video machen lassen (der leider noch nicht übersetzt ist, aber du wolltest doch schon immer mal wieder dein Englisch aufpolieren, oder?).


Forge Europe Introduction 2016 from Forge Scotland on Vimeo.

08 August, 2016

Communitas: Das neue Logo




Am 11. März wurde hier der neue neue Name bekanntgegeben: Aus Christian Associates wird Communitas. Logo gab's noch kein's. Das hat sich diesen Sommer geändert! Ein keltischer Knoten, der so viel symbolisiert wie zum Beispiel die Dreieinigkeit oder Unendlichkeit, um nur zwei zu nennen, liegt im Zentrum. Der Knoten wird von einer Weltkugel eingerahmt, das Internationale andeutend, gebildet aus Menschen verschiedener Farben, Gott zugewandt, sich in liebender Gemeinschaft umarmend. So ähnlich hatten wir uns das gedacht.

26 Juli, 2016

Zehn Jahre Schweden!

Heute auf den Tag genau vor zehn Jahren haben wir uns nach der ersten Nacht im Wohnwagen vor unserer noch völlig unmöblierten Wohnung auf dem schwedischen Amt offiziell angemeldet.

Zehn Jahre!

Was hat uns als Familie in zehn Jahren Ausland am meisten gezeichnet und geformt? Und wie geht es weiter? Fragen, auf die jeder seine eigenen Antworten hat...


20 Juli, 2016

Gebetsclip im Juli

18 Juli, 2016

Frucht, unerwartet indirekt


Die Schauspielerin war am Ende. Zu viele Fehler, zu viel gelitten. Versagt. In der Tiefe hörte sie jemand ihren Namen sagen. Die erste Begegnung mit Gott. Er baute sie langsam wieder auf, führte sie auf neue Wege. Die Liebe zu ihrem Erlöser wuchs, und der Wunsch, mehr Menschen von ihm zu erzählen, ebenfalls. Sie begann, Theologie zu studieren. Doch schnell merkte sie, dass nicht alles Gelernte in jene Welt passt, aus der die kam. Und zu der sie sprechen möchte. Ihre alten Freunde und Kollegen in die Gemeinde einzuladen, wo sie selbst aktiv ist, kam nicht in Frage. Sämtliche Vorurteile über Christen würden nur bestätigt werden - und den Erlöser träfen sie dann wohl nimmer. Sie wünschte sich nichts mehr als eine Gemeinde, in der sich Leute wie ihre alten Kollegen öffnen können, das Leben bearbeiten, Hoffnung schöpfen. Doch solche Gemeinschaften gibt es nicht, fand sie.

Der Überlegung folgend, ob man wirklich neue Gemeinden starten kann, meldete sie sich zu einem Kurs an: Gemeindegründung. Der Dozent, ein Ausländer, lebt in einer Großstadt auf der anderen Seite des Landes. Er berichtete den Teilnehmern, dass er sich vor einigen Jahren von Gott berufen gesehen habe, eine Gemeinde zu starten für solche, die keine Kirche wollen, erzählte von allen Herausforderungen, Versuchen, Misserfolgen. Er bläute seinen Schülern ein, dass Gemeinde niemals mit einem bestehenden Konzept gestartet werden darf. Immer und ohne Ausnahme muss man Teil der Kultur werden, die man erreichen will. Erst danach kommt die Frage, wie man in dieser Kultur zur Nachfolge animiert. Die Künstlerin war inspiriert und schrieb eine der besten Abschlussarbeiten, die wohl je ein Gemeindegründungsstudent geschrieben hat.

Einige Monate später rief sie ihren Dozenten an. Bedankte sich für den Kurs, erzählt von ihren Ideen, die sie in der Zwischenzeit selbst entwickelt hat. Und dass sie irgendwann all ihren Mut zusammennahm, um etwas Neues zu wagen. Und dann berichtete sie von dem Livekonzert im Garten ihres Hauses. Von den vielen eingeladenen Freunden und dass fast alle kamen. Sie erzählte vom Abend voller Gespräche zum Thema "Liebe in Zerbrochenheit". Und von den abschließenden "aufbauenden Worten" - ihre eigene Übersetzung des Wortes "Fürbittegebet". Schließlich sagte sie, dass sich schon beim ersten Mal eine Frau entschieden hat.

Der Dozent lächelte gerührt.

15 Juli, 2016

...und wieder Blut auf der Straße


Während ich noch unwissend über Putins Anti-Terrorgesetze schrieb, erreichte mich die Nachricht, dass der Terror auch schon wieder zugeschlagen hat. Es ist schlimm, wenn Unfälle passieren und Menschen verletzt oder gar getötet werden. Doch es ist so viel schlimmer, wenn dieses Leid absichtlich an Zivilpersonen, an unbewaffneten Männern, Frauen und sogar Kindern verübt wird. Muss man sich so den dritten Weltkrieg vorstellen? Ohne Regeln, ohne Konventionen? Gewiss, auch diese werden oft gebrochen - aber steuern wir ernsthaft auf das totale Gemetzel zu? Mir tut es so unendlich leid, dass wieder das Blut derer vergossen wurde, die nichts, gar nichts für die hirnlose Logik der Täter können. Sinnlose Opfer sinnloser Gewalt.

Israel lebt schon lange mit solchen Zuständen. Die Presse hat zwar immer so getan, dass Israel ja auch selbst schuld daran sei, warum müsse man seine Umwelt auch ständig provozieren. Wenn man aber plötzlich selbst Opfer wird, greift diese Logik nicht mehr richtig: Ahnungslose Einheimische und Touristen vorsätzlich abschlachten? Im Ernst?! Die ersten Berichte sind schon geschrieben, dass Europa ja vielleicht von Israel lernen könne.

Den Opfern hilft das alles wenig. Alles, was wir geben können, ist unser Mitgefühl, unsere Anteilnahme, unsere Gebete.

Mögen wir uns alle noch ein bisschen mehr auf den Tag freuen, an dem zurückkommen wird, der in den Himmel aufgefahren ist.

Putin als Trendsetter?



Pegida oder AfD in Deutschland, Sverigedemokraterna in Schweden, Donald Trump, Brexit - es wehen starke Winde von rechts durch die westliche Welt. Wohin dies führen wird, weiß noch niemand so genau. Es gibt alle möglichen Hoffnungs- und Horrorszenarios. Uns Christen kann es zu einem gewissen Grad egal sein, denn wir wissen, dass Jesus der wahre Herr der Schöpfung ist und immer bleiben wird; egal, wer sonst gerade die Fäden in der Hand hält.

Und doch: Wir leben in dieser Welt und sind keine unbetroffenen. Wir sollen die Welt zum Besten gestalten und für ihre Leiter beten. Die Bibel lehrt uns außerdem, nicht als naive Dummies, sondern wachsam und mit offenen Augen durch's Leben zu gehen.

Und manchmal gehört die Alarmglocke geschlagen. Zum Beispiel, wenn der russische Präsident ein Gesetz unterschreibt, das sich "Anti-Terrorgesetz" schimpft, was ja in Grenzen noch durchaus zu verstehen wäre. Doch dieses Gesetz katapultiert das Land freiheitsmäßig zurück in sovjetische Zeiten. Nicht nur totale Überwachung ist zu erwarten, auch an die Religionsfreiheit wird tonnenweise Dynamit gepackt.

Mission wird in Russland ab dem 20. Juli, wenn dieses Gesetz in Kraft tritt - wenn überhaupt - nur noch sehr schwer möglich sein. Im Prinzip kann jeder, der aus irgendwelchen Gründen nicht der Regierung zustimmt, zum Verbrecher erklärt werden. Wohin dies führen wird, weiß noch keiner - aber auch hier kann man sich Hoffnungs- oder Horrorszenarien vorstellen. Letzteres ist wohl wahrscheinlicher.

Nun, Putin ist Putin, mag man vielleicht denken. Sicher, die Gesetze des Kremls gelten nicht bei uns, und Russland ist weit weg.

Dennoch, denselben Trend gibt es auch im westlichen Europa. Dänemark hat schon vor vielen Jahren die Einreise nichteuropäischer Missionare extrem erschwert. Auch in Großbritannien wurden die Hürden um ein Vielfaches erhöht. Selbst in Deutschland behält sich der Staat das Recht vor, gewisse Gruppen als Sekten abzustempeln. Mit zunehmenden rechtem Einfluss auf die Politik wird die Frage immer größer, wie derartige Regelungen in Zukunft ausgenutzt oder sogar verschärft werden. Sollte Trump wirklich Präsident werden und wird dann auch noch der Brexit Realität, schiebt sich nicht nur ein dicker Keil zwischen Europa und die Angelsachsen, es wird auch für ein ganz neues Stimmungsgemisch im Rest Europas führen.

Ist Putin also ein Trendsetter? Werden wir in ein paar Jahren vielleicht überall ähnliche "Anti-Terrorgesetze" haben? Auszuschließen ist es nicht, aber wir hoffen es auch nicht.

Ich denke, dass die Gemeinde enorme Möglichkeiten hat, den Prozess zu beeinflussen. Erstens und meistens durch regelmäßiges Gebet für unsere politisch Verantwortlichen. Zweitens, indem jede Gemeinde Inseln der Liebe und Hoffnung schafft und der Welt vorführt, dass Glaube nicht gleich Terror ist, sondern jede Gesellschaft auf gesunden Glauben angewiesen ist. Drittens, indem wir mutig Korruption und Misstände (oft unter dem Namen Sünde zusammengefasst) beim Namen nennen und auf den Tag hinweisen, wo endgültige Gerechtigkeit hergestellt werden wird und jeder Rechenschaft leisten muss. All das ist leichter gesagt als getan - aber wir besitzen enormes, ungeahntes Potenzial, das ausgenutzt werden will!

Nur eines muss uns klar sein: Gemeinden und Bewegungen, die fast alles richtig gemacht haben und der Welt das Himmelreich plastisch vorgelebt haben, zogen nicht immer automatisch Lob auf sich. Oft geschah das Gegenteil und man erntete völlig ungerechfertigterweise Schläge und Unterdrückung. In Zeiten wie diesen können wir auch das lang- oder mittelfristig leider nicht mehr ausschließen.

Nur eins steht fest: Egal, wer welche Trends setzt, Jesus ist und bleibt unser Herr und guter Hirte!

12 Juli, 2016

Sehen und gesehen werden


Das Schönste an meinem Job ist Gemeinschaft zu bauen und Zugehörigkeit zu vermitteln. Das Schwierigste ist, dass die Menschen über ganz Europa verteilt leben. Gemeinschaft baut sich nie von selber auf. Für den Anfang braucht's meist nicht viel mehr als eine gemeinsame Tasse Kaffee oder ein Glas Bier. Doch es erfordert nicht weniger als persönliche Präsenz. Skype & Co sind enorme Hilfen, doch sie ersetzen keine persönliche Begegnung. Man mag noch so gute Kopfhörer haben - nichts geht über ein Lifekonzert.

Am Wochenende war ich wieder in Den Haag. In erster Linie zum Predigen in einer unserer großen Gemeinden. Doch es geht um viel mehr. Es geht ums Sehen und Gesehen werden, den Grundbaustein des erfolgreichen Netzwerkens. Erst durch die persönliche Begegnung mit Gemeinde, Pastor und Leitung, durch das Hören der echten Stimme mit allen Oberwellen, baut sich persönliches Vertrauen und damit Beziehung auf.

Obendrein bieten solche Kurzeinsätze immer einmalige Gelegenheiten zum Treffen anderer wichtiger Leute. Zum Beispiel die Übernachtung bei meinem Regionalleiter in Holland oder das Mittagessen mit dem Vorsitzenden CA Europas, wo wichtige Veränderungen anstehen.

Das Herumreisen ist eine merkwürdige Sache für mich. Es macht müde, gleichzeitig es gibt mir Kraft, Feuer und Motivation. Meistens sage ich zu Hause vor Abfahrt zum Flughafen: Eigentlich würde ich lieber hier bleiben. Meistens sage ich zu Hause nach Ankunft vom Flughafen: Eigentlich sollte ich das noch viel öfter machen.

10 Juli, 2016

Gebetsclip für Juni

...aus verständlichen Gründen erst im Juli.


07 Juli, 2016

Ende der Freifahrt



Tja, das war's dann wohl mit Urlaub für dieses Jahr. Nach knappen zwei Wochen im Fjäll und anschließend noch ein paar freien Tagen daheim ist ab heute vorgezogenes Urlaubsende angesagt: Vortragsvorbereitung für eine Dienstreise nach Holland am kommenden Wochenende. Auf geht's!

27 Juni, 2016

Coaching

Ähem..., das war wohl ein Missverständnis. Wir meinten eigentlich nicht diese Art von Coach!

Seit ich in meine Rolle als Regionalleiter Europa gekommen bin, versuche ich, Strukturen für Gemeindegründer zu schaffen, wo Kreativität gefördert wird, missional gedacht und gehandelt und gute Theologie nicht vernachlässigt wird. Als eine Art Aorta strebe ich ein gutes Coachingkonzept an, das internen wie externen Mitarbeitern ein gutes Wir-Gefühl vermittelt.

Doch dann stellt sich immer wieder heraus, wie viel unsere Organisation in punkto kulturelle Vielfalt noch zu lernen hat. Unsere meisten Strukturen traditionell nordamerikanisch geprägt, und da ist viel Gutes dran, und dennoch passt es nicht wirklich in den europäischen Kontext. Außerdem ist die Annahme, dass sich Amerikaner und Europäer sich recht ähnlich sind, ein verflixtes Ding. Denn amerikanische und europäische Kultur ähneln sich nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten und dritten ist's vorbei mit der Ähnlichkeit. Und dies führt immer wieder zu Missverständnissen. Dies führt zu einer lehrreichen Arbeit auf beiden Seiten, doch auch zu sehr langsamen, zeitraubenden und kräftezehrenden Vorankommen.

Die gute Nachricht: Allen, denen es gelingt, ein wirklich multikulturelles Team aufzubauen und an die Arbeit zu bringen, haben einen Resource, für die kein Problem mehr unlösbar ist. Und deshalb geben wir nicht auf. 

24 Juni, 2016

Fromme Gedanken zum Brexit



Sie haben entschieden, die Briten. Obwohl ich immer eher EU-skeptisch war, bin ich nicht sicher, ob gestern die richtige Entscheidung getroffen wurde. Ich kenne viele Argumente gegen die EU, und viele sind wahr. Der gemeine EU-Bürger ist sich in der Regel gar nicht bewusst, was sich auf EU-Ebene hinter Brüsseler Vorhängen alles so zusammenbraut.

Doch Politik ist wie Ethik. Meistens kann man nämlich nur zwischen schlecht und schlechter wählen. Wir leben in einer kranken, faulen Welt. Nur westlicher Wohlstand bildet sich ein, man könne grundsätzlich zwischen "gut" und "schlecht" wählen. Diese westliche Naivität wird immer dann besonders sichtbar, wenn sie sich in nichtwestliche Politik einmischt. In den Irak zum Beispiel vor vielen Jahren. Saddam Hussein wurde als "schlecht" angesehen und gemäß westlicher Wohlstandslogik lautete die propagierte Formel Saddam = schlecht = muss weg  => alles wird gut. Doch dann zeigte sich: Saddam war schlecht => jetzt ist er weg => es wurde noch schlechter. Und das ist nur eins von vielen, vielen Beispielen. Sie alle bringen unsere spießige Wohlstandslogik zum Entgleisen.

Jene Wohlstandslogik wurzelt vor allem im westlichen Individualismus, eine Erfindung der Aufklärung, auf die der Westen so stolz ist. Individualismus ist jene Religion, die das Ich vergöttert und anbetet. Zu den Doktrinen jenes Glaubens gehört die Überzeugung, dass das eigene Ich gut und erst durch die Begegnung mit dem Anderen verdorben wird. Folgerichtig ist nur das unabhängige Individuum erlöst und frei, es tut und lässt, was es selbst für richtig hält, und es glänzt durch ein "gesundes" Selbstbild und Selbstvertrauen.

Gemeinschaft hingegen bedeutet Opfer, und Opfer müssen in unserer Zeit vermieden werden. Es gibt nur einen Gott, dem man opfert, und der ist man selbst. Ein Wellness-Wochenende zum Beispiel. Das darf man sich durchaus schon mal ordentlich was kosten lassen.

Mir scheint, dass jene, die ihr Kreuzchen auf EXIT EU gesetzt haben, innerlich ganz ähnlich argumentierten. EU = schlecht = muss weg => alles wird gut. Und: Großbritannien wird erst dann wieder richtig frei sein, wenn es tun und lassen kann, was es will.

Ob dies wirklich die richtige Entscheidung war? Ja, die EU hat viele Mankos, hat viel versäumt, hat zu viel vorgeschrieben. Doch was, wenn der Nachfolger von "schlecht" nicht "gut", sondern "noch schlechter" ist? Ja, die EU hat viel gekostet, erwartet, dass man sich unterordnet und verlangt, dass man Flüchtlinge aufnimmt. Ja, es mag sich besser anfühlen, wenn ein Land ganz alleine bestimmen kann. Doch was, wenn Individualismus nur eine Vorstufe der Einsamkeit ist und Einsamkeit eine Vorstufe der Hölle? Und was erst, wenn Opfer eine Vorstufe der Gemeinschaft ist und Gemeinschaft eine Vorstufe des Himmels?

Die christliche Antwort auf solche Themen ist wie immer herausfordernd. Erstens, solange der Fürst der Welt hier das Kommando gibt wird hier gar nix gut werden. Vergessen wir's einfach. Die Welt ist und bleibt ein Scheißhaus, EU hin oder her. Wie alle "Reiche" wird auch sie eines Tages vom Stein getroffen werden, der vom Himmel fällt (Dan 2:34f). Es ist der Eckstein des Himmelreiches, das sich im Verborgenen schon heute gestaltet und himmlische Politik auf einer faulen Welt macht. Wer den Pass zu diesem Reich besitzt, braucht sich keine Gedanken mehr über EU-Mitgliedschaft oder Nicht-Mitgliedschaft zu machen, denn wir stehen nicht mehr unter weltlicher Herrschaft. Wir folgen dem Herrn der Herren und dem König der Könige. His Majesty Himself.

Bis Seine Majestät unser Herr wiederkommt und hier endgültig für Ordnung sorgt sollten wir alle irdische Politik mit himmlisch-humorvoller Gelassenheit gestalten und verfolgen. Gerne mit viel Gebet. Auch wenn man oft genug mit den Kopf mit Sorgenfalten schütteln muss. Doch das kann man auch mit erwartungsvollem Schmunzeln tun.
 
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