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22 November, 2016

Theologie des Geschichtenerzählens

Geschichten sind wichtiger, als der moderne Pastor glauben möchte. Eine extrem kurze Zusammenfassung.


17 November, 2016

Viele gute Sachen

"Die Frucht und der Maßstab guter Theologie ist immer Mission": Scenen aus dem Thinklingsfilm, der gerade gemacht wird.

Vor zwei Wochen war ich in Frankfurt, um unsere Mitarbeiter dort zu besuchen und die Arbeit unter Flüchtlingen zu besprechen.

Letzte Woche war ich in Örebro, wo ein Missionskurs abgeschlossen und der nächste begonne wurde. Leider muss ich diesen Herbst zwei Kurse unterrichten - was einerseits die doppelte Möglichkeit ist, Leiter und Missionare der Zukunft zu formen, andererseits aber auch doppelt so viel Zeit in Anspruch nimmt.

Vergangenens Wochenende war wieder "Thinklings". Diesmal stellten wir uns die Frage, warum eine Theologie der Erzählkunst für Mission entscheidend ist. Vielleicht habt Ihr ja schon mitbekommen, dass seit einigen Jahren die Erzählkunst wiederentdeckt wird. Eigentlich eine Jahrtausende alte, urmenschliche Tradition, doch in unserem moderen Wissenschaftswahn haben wir viel verlernt - leider auch in Gemeinden.

Und schließlich werde ich am kommenden Wochenende wieder in Stockholm sein. Einerseits zum zweiten von fünf Forgewochenenden. Gaaanz ganz langsam wächst das Interesse von Christen an wirklich missionaler Mission. Ich bin immer wieder überrascht, wie weit wir mit H2O unserer Zeit voraus waren. Andererseits wird sich die "Mittsommerkranzgruppe" zum zweiten Mal treffen und weiter daran planen, wie man ein öffentliches, spirituelles Diskussionsforum schaffen kann. Ich hatte in den Gebetsclips davon berichtet.

Wenn ich am Sonntag wieder heimkomme, geht es direkt zu H2O's jährlicher, großer Thanksgivingfeier, an deren Vorbereitung ist erstmals gar nicht beteiligt war.

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne und auch gerne viel arbeite - besonders, wenn ich von der Arbeit überzeugt bin. Ich bin von allen diesen Dingen voll überzeugt, doch in diesem Herbst wird es leider ein bisschen zu viel - und das, obwohl ich die Gabe des Nein-Sagens besitze.

Ich würde mich über Dein kurzes Gebet freuen, nachdem Du diesen Artikel gelesen hast. Ich danke herzlich!


11 November, 2016

Irgendwas ist schief gewickelt


Der Lobpreis schien deutlich lauter, intensiver und schöner an jenem Mittwochmorgen. Ich war in Örebro, zusammen mit allen ALT-Studenten aus dem ganzen Land, unter anderem, um einen Missionskurs abzuschließen und einen neuen zu beginnen. Nicht lang zuvor war die Nachricht durchgesickert, für wen man sich auf der anderen Seiten des Atlantiks entschieden hatte.

 Seit 5 Uhr morgens hatte ich verschiedene Nachrichtenagenturen via Twitter verfolgt. Irgendwann war es abzusehen, und für mich war dies ein weiteres Desaster in einer ganzen Serie: Flüchtlingskrise, Schwedendemokraten, Erdogan, AfD, Brexit - you name it. Jetzt fehlt noch Le Pen in Frankreich und die europäische Zukunft ist so unsicher wie nie zuvor während meiner gesamten Lebenszeit. Auch die Tatsache, dass es evangelikale Christen waren, die den großen Blonden ins Weiße Haus bringen, macht meine Arbeit mit einer amerikanischen, christlichen Organisation in Westeuropa nicht unbedingt simpler.

Manche sagen, ich sähe etwas zu schwarz. Außerdem müsse man doch wissen, dass schließlich Jesus immer noch Herr sei. Richtig, niemand weiß wirklich, wie oder ob es überhaupt schlechter wird. Ich halte nichts von Horrorszenarien und primitiver Endzeitpanik. Es sind auch weniger einzelne Personen, die mich beunruhigen. Ob sie nun blond oder großmäulig sind, sie wird es immer geben. Es sind die großen Trends, die mich alarmieren. Und einer dieser Trends sind große Massen, die in dummbärtigem Egoismus Kreuze auf gewisse Stellen malen, was mit Einsatz von etwas mehr Hirnmasse nicht passiert wäre. Solche Trends versprechen mir nicht viel Gutes, doch ich lasse mich herzlich gerne korrigieren und nehme alle Beweise, dass ICH hier schief gewickelt bin, mit Kusshand an! Und ja, Jesus ist Herr! Nach über 10 Jahren, in denen mich der Herr übernatürlich auf dem Wasser wandeln lässt, ist mir wenig so bewusst geworden wie seine übernatürliche Herrschaft. Natürlich war Jesus am 9. November 2016 genau so Herr wie am 9. November 1938. Und er spricht zu uns. Zum Beispiel durch Johannes 16,33 - besser nicht in Luther nachlesen.

Schwarz ist übrigens nicht nur negativ, wie das Buch Prediger beweist. Auf Schwärze ist der Kontrast des Lichts am stärksten. Ich bin froh darüber, dass ich diese Woche viel mehr Tränen geweint habe habe als sonst. Auch Jesus weinte. Es ist normal in einer gefallenen Welt. Man lebt intensiver und es treibt ins Gebet zu Gott. Wer nicht traurig sein kann, lebt oberflächlich.

Wir lassen das Leben unter seiner Herrschaft weiter auf uns zukommen. Für mich hieß es, Donnerstagabend aus Örebro heimzukommen und heute in aller Frühe zu den Thinklings in Brüssel aufzubrechen. Eine Theologiefreizeit zum Thema "Theologie des Geschichtenerzählens" und ihre Bedeutung in der Mission.

Beim Blick aus dem Fenster während der Reise kamen mir allerdings so einige Gedanken. Wie zum Beispiel dieser hier:


06 November, 2016

Frankfurt

Mainhattan - mit seinen glänzenden...
Frankfurt - mit seinen glänzenden...

Bankenmetropole, Reisedrehkreuz. Seit eineinhalb Jahren hat Communitas eine Familie in Frankfurt, die sich vor allem für Integration und Gemeindearbeit mit Ausländern, insbesondere Flüchtlinge einsetzt. Diese Woche war es an der Zeit, sie zu besuchen, ihr Wohlergehen sicherzustellen und ihren Dienst zu besprechen. Unsere Mitarbeiter zogen genau vor dem Höhepunkt der großen Einreisewellen nach Frankfurt. Die Flüchtligskrise hatte ihre ursprünglichen Pläne deutlich beeinflusst. Auch, wenn heute deutlich weniger Flüchtlinge kommen, so sind noch längst nicht alle Herausforderungen bewältigt.

Missiologisch gesehen befinden wir uns gerade in einem begrenzen Zeitfenster, wo uns viele, viele, ungeahnte Möglichkeiten offenstehen. Diese müssen wir ausloten und dann tun, was wir tun können. Der Zeitpunkt, wo es zu spät sein wird, wird eines Tages auch ungefragt über die Grenzen kommen und niemanden um Einreisegenehmigung bitten. Wenn er da ist, wird er sich nie mehr abschieben lassen. Eines möchte ich persönlich gerne vermeiden: Dass sich die Gemeinden meiner Zeit am Ende auch fragen lassen müssen, warum sie so manche Generation vor ihnen die großen Möglichkeiten ihrer Tage auch nicht erkannten haben und sich stattdessen mit Nebensächlichkeiten beschäftigten. Es wäre eine Schande. Deswegen will ich zumindest tun, was ich tun kann und der Herr vor meine Füße legt.

... und nicht so glänzenden Seiten. Beide liegen sehr nahe beieinanander.

24 Oktober, 2016

Stockholm und Coaching












18 Oktober, 2016

Einfache Grundsätze für das missionale Leben


"Hey, du bist doch Christ! Was würdest du zu diesem Thema predigen?!" Plötzlich und unerwartet wird man mitten im Leben auf seinen Glauben angesprochen. Und ganz wie im Film verstummt urplötzlich die Musik, alle Köpfe wenden sich einem zu, Licht aus, Spot an, totale Stille, alles wartet auf deine galante Präsentation. Oder Blamage. Denn erstens bist du weder vorbereitet und zweitens ist genau das die Situation, die du eigentlich immer vermeiden wolltest.

So fühlt's sich manchmal an, nicht wahr? Ich jedenfalls weiß genau, wie sich die kalten Schweißausbrüche anfühlen, die sich dann gerne aus allen Poren ergießen. Wie teilt man seinen Glauben mit Leuten, die vermutlich nicht die geringste Vorstellung davon, was Jesus einem bedeuten kann? Die schlechte Nachricht ist, dass man nie wissen kann, welchen Verlauf ein Gespräch nimmt, wie Gesprächspartner reagieren und welche Gefühle man in ihnen auslöst. Die gute Nachricht ist, man kann sich trotzdem vorbereiten. Indem man bewusst ein missionales Leben führt. Jeder kann es, und wer es nicht kann, der kann es lernen. Dazu habe ich ein paar einfache Grundsätze zusammengestellt.

1. Bau Vertrauen auf

Missional ist Beziehung. Vertrauen ist das Allerheiligste im missionalen Dienst - sowohl zu Gott als auch zu Mitmenschen. Man kann nicht Freund mit der ganzen Welt sein, doch zu ein paar wenigen geht. Wähle zwei oder drei aus, mit denen du sowieso in Kontakt stehst, von denen du aber annimmst, dass sie deinen Glauben nicht teilen. Das können Kollegen, Nachbarn oder Verwandte sein. Dein erklärtes Ziel ist NICHT, Glaubensgespräche zu führen, sondern Vertrauen aufzubauen. Sei proaktiv, aber übertreib's nicht. Zehntausend kleine Schrittchen führen viel weiter als zehn Sprünge mit Anlauf. Nicht vergessen: Diese Leute werden deine Lehrer sein, nicht umgekehrt. Willst du den Umgang mit Muslimen lernen, sollte mindestens einer überzeugter Moslem sein.

2. Bleib entspannt

Du bist nicht der einzige Mensch auf der Welt, der mit Minderwertigkeitskomplexen kämpft und sich unterlegen fühlt. Wenn Du davon ausgehst, dass deine Gegenüber mit mehr oder weniger ähnlich destruktiven Gefühlen zu kämpfen haben, liegst du wahrscheinlich in neun von zehn Fällen richtig. So einiges, was du als prokokativen Angriff erlebt hast, kann in Wahrheit ein unbeholfener Hilfeschrei gewesen sein. Wenn du dir nicht sicher bist, sei im Zweifel für den Angeklagten. Wenn du davon ausgehst, dass ihr beide im selben Gefühlsboot schaukelt, fällt es viel leichter, locker und leger zu bleiben. Das entspannt den Geist. Und eine entkrampfte Seele kommuniziert natürlicher. 

3. Habt Freude am Leben

Beziehung baut sich vor allem durch gemeinsame Erinnerungen auf. Je mehr man gemeinsan macht, desto stärker wird sie. Es gibt Dinge, die addieren zur Beziehung, wie zum Beispiel 40 Stunden wöchentlich am gleichen Arbeitsplatz. Und es gibt Dinge, die multiplizieren. Zum Beispiel der Spaßfaktor einer gemeinsamen Unternehmung. Doch es gibt auch Dinge, die exponenzieren. Das können unbedeutende Kleinigkeiten sein, solange sie ein Beweis für echte Liebe und ungeheucheltes Interesse sind. Ein gekritzeltes Symbol, das nur ihr versteht. Eine Karte. Die Begleitung zum Gerichtssaal. Ein Babysitterdienst. Alles, was Liebe und eine positive, hoffnungsvolle Einstellung zum Leben zeigt, ist gewollt und hat Priorität.

4. Sei offen

Das ist Teil zwei von "Bau Vertrauen auf". Teile mit, was dich bewegt, wo der Schuh drückt. Du musst der erste sein, der Vertrauen beweist und sich öffnet. Du kannst nicht erwarten, dass andere von sich erzählen, während dein Herz ein Tresor mit Blumenkästen dran ist. Doch gerade beim Thema Offenheit gilt: Weniger ist mehr. Hundert kleine Geheimnisse, über mehrere Jahre zur rechten Zeit angemessen offenbart, bringen dich um Lichtjahre weiter als ein vollständiger Seelenstriptease. Der irritiert nur jeden und überfordert beide Seiten.

5. Füll deinen Alltag mit Christus

Klingt logisch, ist es aber nicht. Säkularisierung ist eine schiefe Ebene, sagt Magnus Malm: Man droht ständig abzurutschen. Um eben nicht abzugleiten müssen wir uns permanent aktiv ganz nahe an Christus halten. Christus kennen heißt Christus nachfolgen, und Nachfolge ist voller Überasschungen. Man weiß nie, was der Herr heute wieder im Schilde führt und um welche Ecken wir heute mit ihm herumschleichen. So ging es schon den Jüngern in den Evangelien, in der Apostelgeschichte, so geht es uns heute. Geht es dir nicht so, solltest du dich fragen, ob Christus vielleicht dich meinte, als er Matthäus 7,22 sprach. Wenn du aber weißt, deinen Alltag mit Christus zu füllen, dann bist du schon ein Zeugnis, ohne ein einziges Wort gesagt und ohne es selbst bemerkt zu haben. Dann strahlt Christus in und aus dir. Der Rest geht fast schon automatisch. 

6. Finde regelmäßige Routinen

Finde tägliche, wöchentliche, monatliche und jährliche Ordnungen, die dein Glaubensleben unterstützen. Stundengebet, Danksagung vor den Mahlzeiten, Bibelstunde, Fastentage, Konferenzen oder Freizeiten - alles, was deiner Seele dient, ist gut. Nicht nur für dich, sondern auch für jene, die dich kennen und beobachten. Du wirst heute kaum jemand finden, der sich über solche Routinen lustig macht. Im Gegenteil, du darfst stolz auf sie sein und sie werden wunderbare Gesprächseinstiege ermöglichen. Denn alle Menschen sehnen sich nach Halt, Sicherheit, Leben und gesunder Spiritualität.

7. Sei dankbar

Schon mal in Afrika gewesen? Was Europäer dort am meisten beeindruckt: Die haben nix und sind doch glücklich. Wir hingegen haben alles und motzen trotzdem. Lerne dankbar zu sein. Sei dankbar für jeden Furz, den du lassen darfst. Stell dir einen Tag lang vor, dass du morgen nur das besitzen wirst, wofür du heute danke gesagt hast. Dankbare Menschen sind positive Menschen. Positive Menschen sind attraktive und anziehende Wesen - vor allem, wenn es genuin ist. Sei dankbar für deine zwei oder drei Kontakte - und zwar im Innersten deines Herzens. Dann wird die Dankbarkeit herausleuchten und du brauchst gar nichts zu schauspielern.


Wer es schafft, so zu leben, ist bestens gerüstet zum Alltagsmissionar. Immer und immer wieder wird man sich in Glaubensgesprächen wiederfinden. Plötzlich sind die gar nicht mehr peinlich, sondern gefüllt von gegenseitigem Interesse. Und damit man auf das missionale Gespräch auch gut vorbereitet ist, werde ich dazu bald auch ein paar einfache Grundsätze niederschreiben.

Bis dahin: Viel Erfolg!

17 Oktober, 2016

Die Theologie des guten Erzählens

Geschichten erzählen mag ein wenig nach Märchenstunde klingen, wo Großeltern ihren mit großen Augen und offenen Mündern zuhörenden Enkeln vor dem Schlafengehen spannende Erzählungen vortragen. Und ja, das ist durchaus ein Teil der Geschichte.

Guten Predigern oder Rednern wird nachgesagt, dass sie gute Geschichtenerzähler seien. Werdenden Pastoren wird beigebracht, wie man seine Unterweisungen mit bunten Erzählungen ausmalt und unterstreicht. Nicht selten höre ich von dann Predigern die Klage, dass die Zuhörer sich später aber "nur" an die Geschichten erinnerten und nicht an "das Eigentliche".

Der Grund liegt wohl darin, dass uns lange genug eingeredet wurde, Daten und Fakten seien "das Eigentliche". Es war der eher atheistische Geist der Aufklärung, der uns seit Jahrhunderten im Westen eingebläut hat, das Hirn müsse nur mit messbaren Tatsachen gefüttert werden, um wirklich "vernünftige" Entscheidungen treffen zu können. Als ob die graue Masse zwischen unseren Schultern eine pure Datenbank sei.

Jesus wusste es besser. Seine Geschichten waren keine Ausschmückung, sondern Botschaft. Warum? Weil die Menschheit seit ihren ersten Tagen vor allem durch Geschichten gelernt hat. Was man heute als kindliche Märchenstunde belächeln mag, war für den größten Teil der Menschheit Lebensschule. Moderne Hirnforschung bestätigt zudem, dass unser Kopf keine Datenbank, sondern eine Mediathek ist. Alle wichtigen Lebensentscheidungen werden nicht aufgrund nackter Tatsachen getroffen, sondern aufgrund erlebter und ausgedachter Geschichten, die in unserer Phantasie sukzessiv verändert und angepasst werden, bis die Entscheidung steht.

Zahlen und Fakten mögen ganz sicher ihren unumstritteten Platz in der Wissenschaft haben. Wenn es um Lebensberatung geht, sind Geschichten Trumpf. Unschlagbar. So manche wichtige Entscheidung wurde nach Lektüre eines guten Buches oder Anschauen eines guten Films getroffen. Nicht zuletzt ist die Bibel ein Geschichts- und Geschichtenbuch.

Wir haben alle auf diesem Gebiet extrem viel vergessen und nachzuholen. Wäre die Gemeinde ein exzellenter Geschichtenerzähler, würde sie wohl kaum in der Welt als langweilig und fragwürdig wahrgenommen. Das meinen zumindest wir hier bei Communitas. Und weil wir bei allen grundsätzlichen Trends, die wir in westlichen Gesellschaften sehen, großen Wert legen auf ein solides und biblisches Fundament, planen wir ein weiteres Thinklings. Über die biblische Theologie des Geschichtenerzählens und ihre Bedeutung in der heutigen Mission.

Und wenn drei unserer wichtigsten Schlagworte "missional", "kreativ" und "theologisch" sind - was liegt dann als Einladung zu den Thinklings näher als eine dramatische Filmvorschau?


16 Oktober, 2016

Beten im Oktober

14 Oktober, 2016

Teamtreffen im Piemont


Erstmal danke an alle, die nach dem letzten Gebetsclip für uns gebetet haben! Wir hatten ein außergewöhnlich gutes Treffen, diesmal nicht nur mit einigen Ehepartnern, sonder auch Dudley, Communitas' "Präsident", wie man im Amerkanischen so schön sagt, Kevin, dem "Global Advancement Teamleiter", Daphne von Staff Care & Development sowie einigen Ehepartnern - wie zum Beispiel meine liebe Frau.


Wir trafen uns im ehemaligen Rückszugsort der Waldenser im Pellicetal im Piemont auf 800m Höhe nahe der französischen Grenze. Die Waldenser sind ein faszinierendes Völkchen, dafür dass sie schon im 12. Jahrhundert gegründet wurden, viel Wert auf persönliches Bibelstudium und verständliches Predigen legten sowie Kirchenmacht strikt ablehnten, waren sie ihrer Zeit weit, weit voraus und in ihrem Denken durchaus reformatorischer als Luther. Doch dafür wurden sie verfolgt und exkommuniziert. Ich persönlich habe diesen Ort mit seiner Geschichte als sehr geeignet und inspirierend für unser Treffen gefunden.

In diesem Treffen ging es vor allem darum, den von unserem Europateam angestoßenen Prozess der Dezentralisierung unserer eher amerikazentral gewachsenen Strukturen abzugleichen, um Mission und Gemeindegründung mit mehr Einheimischen zu ermöglichen. Wir suchen die kreativen, theologischen und missionalen Staatsbürger Europas, um diesen Kontinent wieder neu für Jesus zu gewinnen. Dazu wollen wir Strukturen schaffen, in denen einheimische Leiter sich willkommen, geschätzt und gefördert fühlen.

Ich bin sehr dankbar, dass wir einen gemeinsamen Kurs entwickeln und besprechen konnten. Was sich vorher wie Spannungen anfühlte, löste sich komplett in Luft auf. Ich führe das auf die Anwesenheit und Mitarbeit des Heiligen Geistes in unseren Treffen zurück. Wir sind außerdem alle sieben Wunder im Johannesevangelium durchgegangen, um uns auf Jesus, Seine Möglichkeiten und Seine Art zu konzentrieren. Und wer Jesus folgt, wird immer wieder neu positiv überrascht.

Und Communitas wäre nicht Communitas, wenn es keine Zeit zum Feiern gäbe, mit Geschichten, Feuer, Rauch und Wein.

Bevor Karen und ich wieder heimgereist sind, konnten wir mit unserem Mietwagen noch einmal bis zum Ende der Straße durchs Pellicetal auf rund 1300m Höhe fahren und Aussichten genießen, wie wir sie aus den ersten Jahren unserer Ehe von der anderen Seite der Alpen noch kennen...



26 September, 2016

Forge kommt nach Deutschland!


FORGE kommt nach Deutschland!

FORGE… spannt ein Netzwerk zwischen einzelnen Akteuren, die ein missionales Lebenskonzept umsetzen. Miteinander möchten wir herausfinden, wie sich deine Vision am besten umsetzen lässt.
Die Forge-Reihe startet am 25. Oktober mit der Online-Interaktion und am 18.-19. November 2016 mit einem Pilot-Wochenende: In einer familiären Atmosphäre entdecken wir, was man unter „Lebe Wohl – Evangelisation heute“ verstehen kann. Aber nicht nur der Austausch steht im Vordergrund: damit deine Ideen nachhaltig umgesetzt werden, gibt es zum Beispiel PeerCoaching und Reflection Papers.

Mit deinem Feedback werden an diesem Wochenende die Weichen für die Zukunft von FORGE gestellt.

Sei dabei: https://www.xing-events.com/forge-pilot.html

FORGE-pilot wochenende- lebe wohl -
November 2016

25 September, 2016

Beten im September

23 September, 2016

Randale, Barrikaden und brennende Autos


Nicht weit von uns entfernt gab's gewalttätige Auseinandersetzungen. Diese Woche hatte die Polizei mehmals gegen Hehler und kriminelle Gruppen zugeschlagen, und bei einem weiteren Einsatz schlugen die Gangs zurück. Man wollte klarstellen: "Hier regieren wir, nicht ihr, und wir lassen uns nicht von euch reinreden." Einige völlig unbescholtene Bürger verloren dabei ihre Autos, weil sie gerade zur faschen Zeit am falschen Platz waren und kurzerhand in Brand gesetzt wurden.

"Was können wir tun?" "Wo sind die guten Kräfte in der Gesellschaft?" Solche Fragen werden heute ganz offen in den lokalen Zeitungen gestellt. Von Betroffenen bis zu Politikern.

Man sollte meinen, dass Gemeinde die ultimative gute Kraft in jeder Gesellschaft sein sollte, wo es Gemeinde gibt. Doch es ist nicht leicht für Christen, sich das einzugestehen und dann auch auszuleben. Es ist einfacher, alle guten Kräfte nur intern zu verwenden. Wer will schon mit Leuten abhängen, die, wenn's drauf ankommt, Straßenbarrikaden bauen und Polizisten angreifen?

Wahrscheinlich sind aber genau die unsere heutigen "Zöllner und Sünder". Mit denen man keinesfalls verwechselt werden und an einem Tisch sitzen möchte. Es ist also immer wieder sehr gesund, sich selbst zu fragen: Wie sehr ähnele ich Jesus in dieser Welt wirklich?



11 September, 2016

Korrigiere: Lassen wir Gott schmieden.

09 September, 2016

Lasset uns schmieden

Auf zu Forge (=Schmiede) Schweden in Stockholm!


Schule hat begonnen...

Diese Woche stand mal wieder vor allem im Zeichen eines neuen ALT-Semesters. 150 Studenten und Kollegen aus ganz Schweden trafen sich zum großen gemeinsamen Neustart. Eine meiner Hauptaufgaben diese Woche war neben den üblichen Gesprächen und Planungen sowie dem Beginn des neuen Missionskurses und der "Lebensseminare" eine Kurzdoku unter 50 Sekunden. Hier ist das Resultat:


Übersetzung:
Jetzt hat das neue Semester begonnen. Ich heiße Ulrik Josefsson und habe das Vorrecht, diese Ausbildung leiten zu dürfen. Wir haben uns zum Auftakt hier in Nyhem getroffen, ungefähr 130 Studenten und 20 vom Personal, außerdem sind jede Menge Gemeinden mit einbezogen. Unglaublich spannend, Teil dieser Reise zu sein...
Titel:
Das Studienjahr hat begonnen



05 September, 2016

Feuchte Gnade


September. Die erste frische Nacht. Auf der morgendlichen Hunderunde entdecke ich Tau, der fröhlich in der Sonne schimmert. Der Herbst muss wohl im Anmarsch sein. Doch wie der Regenbogen ist auch Morgentau eine Erinnerung für uns: Er erinnert an den Himmel. Er kommt über Nacht und ist einfach da. Wir müssen nichts dafür tun.

Aber wie oft denken wir, wir könnten den Tau des Himmels durch gutes Verhalten, frommes Erscheinen, Gottesdienstgänge, lange Gebete, sozialen Einsatz, den Zehnten geben, keine falschen Webseiten aufrufen und so weiter produzieren? Wie oft denken wir, wenn ich dieses tue und jenes lasse, dann wird mir Gott gefällig sein? Und umgekehrt: Wenn ich dieses lasse und jenes tue, dann wird er böse, droht mit dem Zeigefinger oder schickt mich in die trockene Wüste.

Derweil liegt der Tau auf jedem einzelnen Blatt und Grashalm. Als wollte er sagen: "Was für ein perverses Gottesbild habt ihr da gezüchtet." Und für alle, die ganz besonders schwer von Begriff sind, lässt der Tau hier und da einen kleinen Miniregenbogen aufblitzen.

So wie das Wasser unsichtbar in der Luft gelöst war, bevor es zu Tau kondensierte, sind wir von Gott umgeben. Es geht nicht darum, es ihm recht zu machen, damit er uns wohlgesonnen ist. Es ist sowieso unmöglich, es Gott rechtzumachen.

Evangelium bedeutet, dass er uns schon wohlgesonnen ist, ohne dass wir eine einzige Regel gehalten haben. Das einzige, was Gott wirklich richtig glücklich macht, ist genau DAS zu glauben: Gott ist uns wohlgesonnen, egal wie eklig und verfilzt so manche Teile unseres Lebens sein mögen. Glauben ist ein anderes Wort für Vertrauen. Wir vertrauen, dass er da ist wie die Luftfeuchtigkeit. Wir lieben ihn mit unserem Vertrauen, nicht mit unseren Taten.

Und wenn wir es mal vergessen sollten, mag uns ein früher Morgenspaziergang wieder daran erinnern.

29 August, 2016

Rekordviele Bewerbungen an Bibelschulen




Das Personal der "Akademi för ledarskap och teologi" freut sich auf ein neues "läsår", ein "Lesejahr" - zu deutsch: zwei neue Semester.
 Zum sechsten Mal beginnt heute auf der immer noch relativ neuen Akadami för ledarskap och teologi, kurz ALT (sprich A-L-T) eine vierjährige Berufsausbildung zum Gemeindedienst - sei es als Pastor, Jugendpastor, Diakon, Missionar oder Gemeindegründer. Mit über 50 neuen Studenten ist ALT die größte und eine der wichtigsten biblisch zentrierten Ausbildungsstätten Schwedens. Doch nie haben sich so viele neue Studenten beworben wie 2016.

Und damit ist ALT keine Ausnahme: Sämtliche Bibelschulen Schwedens beginnen dieses Jahr mit entweder mehr oder gleichviel neuen Studenten. Meine Frau Karen fand es erstaunlich, dass einerseits die Gemeinde insgesamt gesehen immer weiter schrumpft und als gesellschaftlich irrelevant erscheint, andererseits immer mehr junge Leute in den vollzeitlichen Gemeindedienst gehen wollen. Ich sehe dies eher als eine logische Folge: Gerade weil die Gemeinde schrumpft, wollen sich junge Leute einsetzen. Und das ist phantastisch.

Was es aber braucht, ist Mission. Viele Gemeinden wirken altmodisch, weil ihr Bild von biblischer Nachfolge in ganz anderen Zeiten geprägt wurde. Und so gut und richtig diese Art Nachfolge auch sein mag, so unablässlich ist es heute, biblische Nachfolge in globalen Instagramm- und Snapchatzeiten neu zu definieren. Nur so können wir gesunde Gegengewichte der Gesellschaft sein. Es ist gut, an Bibelschulen anzusetzen. Es ist sehr gut, dass es so viele interessierte Novizen gibt. Denn dadurch werden viele Leiter der nächsten Generation - und damit die Zukunft geprägt.

20 August, 2016

Vom Sinn und Unsinn der Gnade

"Ihr müsst nachsichtig mit mir sein, denn an diese Regelung werde ich mich nicht halten." Das waren so ziemlich die ersten Worte, die Denis zu mir sagte. Und weil ich ihn wohl perplex ein Moment zu lange sprachlos ansah, legte er gleich nach: "Aber ihr habt ja "Gnade"als wichtigen Grundwert in Eurer Organisation. Davon habe ich schon viel gehört. Ihr seid echt cool drauf. Das wird also kein Problem für Euch sein."

"Die meisten Menschen haben Probleme, sich an Regeln zu gewöhnen, die man noch nicht kennt." erwiderte ich. Ich wusste nämlich nicht recht, wie ich Denis' Aussage zu deuten hatte. War es ein Zeichen von Arroganz? Egoismus? Falschen Erwartungen? Oder war es einfach nur primitiv? Ich fragte mich außerdem, warum Denis mir nicht erzählte, aus welchem Grund diese Regel ein Problem für ihn sein würde. Er setze einfach voraus, dass solche Dinge nicht für ihn gelten.

Um dies herauszufinden, würde ich betonen müssen, dass jene Regel nicht einfach so aufgehoben würde. Also frage ich, warum er es nicht einfach mal probiere, bevor man Ausnahmen aushandele. Und mit probieren meinte ich dieser Regel eine faire Chance geben. Nicht nur flüchtig so zu tun, als hätte man es versucht.

Denis' Reaktion war heftig. Arme wedeln, laute, zitternde Stimme. Paragraphenreiter seien wir. Wir sollten gefälligst gnädig sein. Er erwarte, dass wir ihm gnädig seien. Sonst würde er wieder gehen. Und dann müssten wir ja in Zukunft ohne ihn auskommen. Damit war das Gespräch beendet.

In der folgenden Zeit hörte ich von mehreren Kollegen, dass Denis sich bei ihnen beschwert hatte. Man habe ihm keine Gnade erwiesen, war wohl immer wieder sein Hauptpunkt. Doch mit wem er auch sprach, alle fanden, dass diese Regel durchaus sinnvoll sei. Schließlich gab Denis auf und spielte für längere Zeit die beleidigte Leberwurst. Plötzlich waren wir alle wohl doch nicht mehr so cool drauf.

Denis symbolisiert einen typischen Christen des 21. Jahrhunderts: Das "Alles ist erlaubt!" der Postmoderne wird mit einem der wichtigsten Wörter der Bibel gerechtfertigt: Gnade. Wenn du nicht willst, wie ich wohl will, geb ich dir eins auf's Dach! Du musst mir schließlich gnädig sein. Es ist die Pflicht, denn du bist Christ.

So nachdenkenswert vieles auch sein mag, Denis und seine postmodernen Seelenverwandten scheinen blind für das zu sein, was Gnade Gnade sein lässt: Man kann sie nicht verdienen, nicht erzwingen, noch nicht einmal erwarten.

Doch in unseren Zeiten glauben wir, man habe ein "Recht auf Gnade". Wem keine Gnade gewährt wird, fühlt sich ungerecht behandelt. "Anspruchshaltung" wird eins der größten Probleme westlicher Gesellschaften werden. Gemeinden inklusive. Gnade ist Allgemeingut geworden. Sie wird einem wie Ramsch nachgeworfen. Alles erlaubt, alles geht.

In frommen Kreisen liegt der Kern der Sache wohl im Gottesbild. Nur wenige sehen in Gott ein extrem gutes, extrem großes und extrem gefährliches Wesen. Sich mit Gott anzulegen gleicht dem Wahn, Naturgesetze ändern zu können. Sich Gnade erzwingen zu wollen, ist ebensolcher Wahnwitz. Gnade wird nur dem gegeben wird, der sich selbst in das "Joch der Nachfolge" zwingt. Doch Jesus betonte, dieses Joch sei sanft (Mt 11,30) - im Vergleich zu anderen Zwängen der Welt.

Wenn Gott etwas sagt, dann ist es so. Wenn er etwas bestimmt, dann ist es entschieden (4Mos 23,19)."Geht es um Macht und Gewalt: Er hat sie. Geht es um Recht: Wer will ihn vorladen? (Hiob 9,19)". Gott ist Liebe, Gott ist gut, aber Gott nahe kommen, heißt trotzdem sterben. Wir ertragen seine Kraft nicht. Wir können uns auch keiner Sonne nähern, noch nicht mal in den Mariannegraben tauchen. Jeder weiß es, jeder hält's für logisch. Nur bei Gott erwarten wir, dass es trotzdem möglich sein muss. Und weil Gott Liebe und gut ist, macht er es sogar möglich. Gnade wird dem gewährt, der sich in Jesus versteckt. Und NUR dem.

Es ist kein Recht und kein Verdienst. Es ist Gottes Entscheidung. Er stellt die Bedingungen, nicht wir. Gnade ist nur Gnade, wenn es ohne sie weder Vorbei noch Pardon gibt. Gnade ist kostenlos, doch sie hatte ihren Preis. Wem Gnade nichts wert ist, weiß nicht, was sie wert ist. Marktschreier für die Schleuderware Gnade haben in Gemeinden nichts zu suchen. Deswegen begleite ich solche, die mir drohen, wieder zu gehen wenn ich ihnen nicht "gnädig" sein will, gerne unmittelbar bis zur Tür und verabschiede mich direkt. An der Tür angekommen warte ich lieber darauf, jemanden begrüßen zu können, der weiß, was ein Schatz im Acker ist.

(Eigene Collage nach dem Buchcover "Nachfolge". Das Zitat ist der erste Satz des ersten Kapitels "Die teure Gnade".)





19 August, 2016

Angenommene Vermutungen

"Wat is en Dampfmaschin?" fragte Lehrer Bömmel

"Da stelle mer uns ma janz dumm..." Manchmal isset jar nich so verkehrt, sich janz dumm zu stelle und so zu tun, als wüsste man gar nichts. Denn wer nichts weiß, muss alles lernen. Wer glaubt zu wissen, passt nicht auf. Der Schlaue fragt, wie meinst du das? Der Dumme glaubt, er weiß es schon.

In jeder Beziehung gibt es Dialoge, die perfekt aneinander vorbeireden. Jeder glaubt zu wissen, was der andere meint, und damit verfehlt jeder sein Ziel. Im schlimmsten Fall erreicht man sogar genau das Gegenteil von der eigentlichen Absicht.

Nach zehn Jahren internationalem Dienst weiß ich sehr gut, wovon ich rede. Im interkulturellen Umgang vervielfacht sich das Potential zum gelungenen Missverständnis. In fast jedem einzelnen Fall war die Annahme, man wisse ja schon, was der andere meine, der fatale Auslöser zu lustigen und weniger lustigen Verstrickungen.

Ganz besonders jetzt spüre ich das, jetzt, wo ich seit zwei Jahren in den Leitungskreisen einer US-amerikanischen Organisation mitmische. Viele Europäer und Amis leben in der Annahme, dass wir uns recht ähnlich seien. Die Wahrheit ist: Wir sind es nicht. Wir denken, leben und leiten verschieden. Wir sehen nur ähnlich aus. Alles andere basiert auf Vermutungen.

Während meiner ersten acht Jahre in Schweden war ich derjenige, dessen Aufgabe es war, eine offene und multikuturelle Atmosphäre des gegenseitigen Lernens und Verstehens zu schaffen und zu moderieren. Daher auch der Name H2O (Hoffnung, gegenseitiger Respekt [Hänsyn], Fürsorge [Omsorg]). Das war schwierig, doch trotz aller Herausforderungen glaube ich, dass es uns zu einem guten Teil gelungen ist. Unser großer Vorteil war, dass wir janz dumm jekommen sind. Wir waren stets Mitlernende, nie Allwissende.

Seit zwei Jahren hat sich etwas Entscheidendes geändert. Einerseits leite ich weiterhin ein phantastisches Team, dass die Notwendigkeit des Lernens verinnerlicht hat - eine Grundvoraussetzung in dieser Zeit massiver Veränderungen. Alle meine amerikanischen Teammitglieder haben viele Jahre Europaerfahrung, manche sogar eine europäische Staatsbürgerschaft, beherrschen eine oder mehere europäische Sprachen fließend. Ein kreatives Dream-Team für die Mission! Andererseits bin ich nun auch Teil des restlichen Leitungssystems einer wachsenden Organisation - und dort fühle ich mich als einzige Europäer und einziger in Europa lebender eher wie Sand im Dampfmaschinengetriebe. Ich störe, es ruckelt, es knirscht - und ich selbst werde zermahlen. Unabsichltich zwar, doch das ist, was ein Getriebe mit Sand macht, nicht wahr? Vielleicht ist es ein schlechtes Bild, doch es drückt aus, wie es mir geht. Und viel hat damit zu tun, dass Amerikaner annehmen, ich müsste ihnen doch so ähnlich sein. Schließlich sind wir doch Christen.

Noch weiß ich nicht, was das zu bedeuten hat. Doch ich weiß, dass mich die vergangenen zwei Jahre mehr Kraft gekostet haben als die acht davor zusammen. Nicht etwa wegen der vielen Arbeit und dem Reisen, oh nein! Ich liebe Reisen und ich mag es, hart zu arbeiten. Es sind die unterschwelligen Annahmen, die auf die Dauer zermürbend sein können und unsicher machen. Im Umgang mit meiner eigenen Unsicherheit lasse ich mich bisweilen von Lehrer Bömmels humorvollen Art inspirieren: Sich einfach jans dumm stelle.

Da denken mer uns, mer sin inne jroße, schwatze, runde Raum. 
Unn dieser gjoße Raum hat zwei Lösher. 
Dursh dat eine Loch, da simmer rinjekommen. 
Unn zu dem anderen Loch, da komme mer später. 

So der Herr will.



14 August, 2016

Beten im August



Wer den Link nicht mitschreiben konnte, findet das erwähnte Video natürlich auch hier.

10 August, 2016

Orientierung


Im Hintergrund läuft gerade Filmmusik: Pirates of the Caribbean. Meine Tochter und ich haben uns im Sommer mal wieder sämtliche Folgen reingezogen und wir sind immer noch im Jack-Sparrow-Rausch. Rum und Romantik, Piraten und Politiker, Sturm und Flaute. Fast wie im echten Leben.

Fast. In echt hat nämlich niemand so einen Sparrow-Kompass, der nicht wie 08-15-Kompasse langweilig nach Norden zeigt, sondern wundersam in Richtung des allergrößten Wunsches deutet. Was soll's. So eine magische Nadel wär ja ganz nett, doch ich persönlich brauch sie nicht. Mein größter Wunsch ist mir auch ohne Zauberkompass offenbar.

Seit über 30 Jahren bin ich verliebt in den Auferstandenen und seine Auferstehung - nicht als literarische Idee, nicht als philosophisches Konzept und nicht als theologische Abhandlung, nein, als lebende Tatsache und konkrete Zukunftshoffnung. Ostern fasziniert mich. Dem Sieger über den Tod widmet sich meine ganze Aufmerksamkeit. Die angekündigten zwei Auferstehungen sämtlicher Verstorbenen fesseln mich so sehr wie sie mich inspirieren. Zu IHM will ich! Und zwar mit meinem eigenen, brandneuen Auferstehungskörper. Das ist mein größter Wunsch.

Mein zweitgrößter Wunsch ist es, auf jener kompasslosen Reise möglichst viel Reklame für mein Ziel zu machen. Die Latrinenparolen über einen faden Kitschkirchenjesus machen's nötig, die Welt mit dem wahren Auferstandenen zu überraschen: Dem Schrecken für Machthaber, dem Herrscher der Herrscher, dem Obersten General und Himmlischen Heerführer - und doch gleichzeitig dem Anwalt der Schwachen, dem unbestechlichen Vertreter der Unterdrückten, dem guten Hirten für dich und mich, die wir uns regelmäßig als dämliche Schafe erleben. Ich möchte Millionen Menschen des Postchristentums mit dem Mann erreichen, der einfach in kein Schema passt.

Hielte ich heute einen Sparrow-Kompass in der Hand, würde er wie wild im Kreise wirbeln. Nicht etwa, weil ich schon angekommen wäre. Auch nicht, weil sich mein Wunsch nach 30 Jahren geändert hätte, oh nein! Er kreist, weil mein wahrer Guide gerade stehen bleibt. Ich bin nämlich alles andere als führerlos, ich habe etwas viel besseres als einen Filmkompass: Die Heilige Geistin* persönlich ist bis auf weiteres meine angenehme Reiseleiterin. Mir scheint, sie hat gerade Signal erhalten, einen Moment zu warten. Jetzt, wo ein paar Nebelböen aufziehen. Der Stillstand macht mich unsicher.

Unsicherheit ist an sich gar nichts Neues für mich. Hab' ich mich doch meistens als befangenes Schaf erlebt, das sich dankbar und treu(-doof) der Leitung des guten Hirten bzw. seiner coolen Stellvertreterin anschloss. Hab dabei viel erlebt und gelernt, sehr viel sogar, bin reifer und sicherer geworden. Hätte zum Beispiel vorher nie gedacht, dass Schafe unter Wölfen überleben können. Es geht! Aber nur an Seite meines erfahrenen Guides. Ihr hättet sie mal erleben sollen! Keira Knightley ist eine Kröte dagegen.

Doch nun stehen wir da. Wir stehen jenseits der Rudel, die immer noch witternd die Zähne fletschen. Flaute? Ich kann mich kaum erinnern, dass wir je stehenblieben. Mein Blick, rotierend wie die Kompassnadel, bleibt schließlich an den geduldigen Augen meines Guides hängen, die wartend auf mir ruhen.

- Willst Du weitergehen?
- Logisch! Keine Frage!
- Wirklich?
 Hm. Die Frage scheint ernster als erwartet.
- Ja, ich will!
- Vertraust du mir?

Warum fragt Gott immer dreimal? Was erwartet mich denn? Was kommt? Ich blicke zurück und sehe den Weg, der hinter mir liegt. Ich blicke nach vorn und erspähe unter anderem eine größere Nebelbank. Wohl deswegen kommen solche Fragen. War alles bisherige etwa nur Einleitung, Vorbereitung? Waren die bisherigen Wölfe nur so etwas wie Steifftiere? Warten hinter Dunst und Schwaden nun die echten Ungeheuer? Werde ich jede Unze Vertrauen, das bisher gezüchtet wurde, dringend nötig haben?

Äußerst interessante Fragen, nicht wahr? Genau dort befinde ich mich jetzt. Fortsetzung folgt. In welche Richtung wir dann irgendwann losstapfen werden, weiß ich noch nicht.

Während ich nachdenke, wird aber meine dritte Antwort sonnenklar: Ja, ich vertraue dir und möchte auf dem Rest der Reise dein Agent, Vertreter und Verkünder sein. Und sollte auch nur ein halbes Prozent Europas mein Proklamieren mitbekommen, dann wäre immer noch unter Millionen gesät. Ja, ich will! Es wird allerhöchste Zeit, dass der Auferstandene auch im nachchristlichen Europa als der bekannt wird, der er wirklich ist: Als faszinierender Herr! Kein birkenbestockter Schluffi.

Schließlich werden über ihn interessante Dinge gesagt, die man nur selten hört. Zum Beispiel, dass er ein "harter Mann" sei. Er ernte, wo er nie gesät habe. Er sammle, wo er nie ausgestreut habe (alles in Matt 25,24). Jesus lässt die Arbeit von schlauen Verwaltern erledigen.

Und überhaupt, wenn Jesus auftaucht, dann holt er sich nur sein Eigentum zurück, das ihm zuvor geraubt wurde. Alles in allem kann man also irgendwie schon sagen:

He's a pirate. Aber a very good one. Er ist es wert, viel bekannter zu werden als Jack Sparrow. Denn er ist unvergleichbar besser. Und: Er ist echt.

Bleibt abzuwarten, welchen Kurs Captain Christus nach dieser Orientierungspause dann einschlagen wird. Ich werde weiter folgen. 


__________________________

*
Ruach, hebräisch für Geist, meist in Verbindung mit Worten wie Ruach Elohim, (Geist Gottes), Ruach Adonai (Geist des Herrn) oder sogar Ruach Hakkodesh (Heiliger Geist) ist im Hebräischen ein weibliches Nomen. Anders als im Deutschen, wo Artikel zufällig und unlogisch zugeordnet sind, macht der Artikel im Hebräischen eine Aussage über das Wesen des Objekts. Der Geist Gottes wurde deshalb in jüdischer Tradition eindeutig als weiblich angesehen. Christen betrachteten den Geist Gottes als weiblichen Teil der Dreieinigkeit, was insbesondere im Hinblick auf 1Mos 1,27 eine Menge Sinn ergibt.

09 August, 2016

Forge Europa


Forge hat den ersten Gemeindegründerkurs in Europa durchgeführt - zusammen mit Communitas. Communitas und Forge sind sich im Denken sehr ähnlich - Forge bildet aus, Communitas ist der richtige Partner für die anschließende Praxis.

Mein Kollege Alan McWilliam, Europadirektor bei Forge, hat einen informativen Video machen lassen (der leider noch nicht übersetzt ist, aber du wolltest doch schon immer mal wieder dein Englisch aufpolieren, oder?).


Forge Europe Introduction 2016 from Forge Scotland on Vimeo.

08 August, 2016

Communitas: Das neue Logo




Am 11. März wurde hier der neue neue Name bekanntgegeben: Aus Christian Associates wird Communitas. Logo gab's noch kein's. Das hat sich diesen Sommer geändert! Ein keltischer Knoten, der so viel symbolisiert wie zum Beispiel die Dreieinigkeit oder Unendlichkeit, um nur zwei zu nennen, liegt im Zentrum. Der Knoten wird von einer Weltkugel eingerahmt, das Internationale andeutend, gebildet aus Menschen verschiedener Farben, Gott zugewandt, sich in liebender Gemeinschaft umarmend. So ähnlich hatten wir uns das gedacht.

26 Juli, 2016

Zehn Jahre Schweden!

Heute auf den Tag genau vor zehn Jahren haben wir uns nach der ersten Nacht im Wohnwagen vor unserer noch völlig unmöblierten Wohnung auf dem schwedischen Amt offiziell angemeldet.

Zehn Jahre!

Was hat uns als Familie in zehn Jahren Ausland am meisten gezeichnet und geformt? Und wie geht es weiter? Fragen, auf die jeder seine eigenen Antworten hat...


 
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